Das Kompetenzzentrum KIAM (KI für die Arbeitswelt des industriellen Mittelstands) will KMU bei der Einführung von KI-Systemen unterstützen. Wie wird das umgesetzt?
Das Projekt KIAM will die Hürden für den KI-Einsatz im industriellen Mittelstand senken.
(Bild: pixabay)
Künstliche Intelligenz kann die Qualität in den Bereichen eines Unternehmens verbessern, die bislang wenig von technologischem Fortschritt erreicht wurden. Nicht nur die Medizin, sondern auch produzierende Unternehmen könnten durch den Einsatz von KI profitieren und effizienter arbeiten, wie im Personalbereich, im Einkauf und im Vertreib, so Prof. Dr. Eyke Hüllermeier, Inhaber des Lehrstuhls für Intelligente Systeme und Maschinelles Lernen am Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn. Bisher nutzten Unternehmen die KI-Lösungen nur in Bereichen, in denen Daten in ausreichender Menge und Qualität vorliegen. Dazu zählen das Rechnungswesen und die Absatzplanung.
Doch künstliche Intelligenz im gesamten Betrieb einzusetzen birgt Schwierigkeiten. So auch Prof. Dr. Axel-Cyrille Ngonga-Ngomo: „Da KI-Lösungen für jede Frage spezifisch sind, sind die Umstellungskosten für Unternehmen derzeit aber sehr hoch: Dort, wo besonders hohe Effizienzsteigerungen durch KI möglich wären, genügt es nicht, einfach nur eine KI-Lösung zu etablieren. Es müssen auch passende Daten vorliegen und die Anwender müssen in der Lage sein, Ergebnisse zu interpretieren und kritisch zu hinterfragen“. Er ist mit weiteren Forschern an einem Projekt beteiligt, um Unternehmen unter anderem diese Herausforderung zu erleichtern.
KIAM will individuell Unternehmen unterstützen
Im Kompetenzzentrum KIAM entwickeln 18 Einrichtungen gemeinsam mit der IG Metall konkrete Ansätze für die Arbeitsplatzgestaltung und Qualifizierung von Beschäftigten. Begonnen hat das am 1. Oktober im Rahmen des Spitzenclusters it’s OWL. Darunter betreiben vier Paderborner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Grundlagenforschung zur sogenannten humanzentrierten Arbeitsplatzgestaltung und zu Change-Management-Prozessen, also der planvollen Gestaltung von Veränderungen in Unternehmen. Neben Prof. Dr. Eyke Hüllermeier und Prof. Dr. Axel-Cyrille Ngonga-Ngomo sind daran Prof. Dr. Kirsten Thommes und Prof. Dr. Gregor Engels beteiligt. Laut Thommes untersuchen sie, wie KI-Systeme sozial und gerecht eingeführt werden können und wie sich das am Arbeitsplatz mit besonderem Fokus auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter gestalten lässt. Dafür werden zwei Beispielprojekte mit Unternehmen durchgeführt.
KI-Lösungen sollen für reale Situationen entwickelt werden, um neueste technologische Verfahren und Gegebenheiten der Arbeitswelt möglichst optimal aufeinander abzustimmen. So auch Gregor Engels: „Durch die besondere Verbindung von Forschungsperspektiven aus der Arbeitswissenschaft sowie der Informatik sollen im Kompetenzzentrum neue und praxisnahe Ansätze im Sinne der Arbeitnehmer wie auch der Unternehmen entwickelt werden“.
Über eine Informationsplattform sollen KMU die ausgearbeiteten Ergebnisse aus den einzelnen KIAM-Projekten zu Verfügung gestellt bekommen, um diese reproduzieren zu können. Dazu werden den Unternehmen Workshops und Veranstaltungen angeboten, um die Angestellten für den Einsatz von KI-Technologien zu qualifizieren.
In Transferprojekten haben die Unternehmen die Möglichkeit neue KI-Technologien für konkrete Herausforderungen einzusetzen. Unterstützt werden sie dabei von Transferpartner des Kompetenzzentrums, wie OWL Maschinenbau und die OstWestfalenLippe GmbH.
Weiteres zu KIAM
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat das Kompetenzzentrum KIAM bei der Ausschreibung „Kompetenzzentren für Arbeitsforschung“ unter bundesweit 47 Bewerbern neben einem weiteren Projekt ausgewählt. Dadurch wird KIAM über 5 Jahre vom BMBF mit 10,7 Millionen Euro unterstützt und durch die it’s OWL Clustermanagement GmbH von Prof. Dr.-Ing. Roman Dumitrescu (Geschäftsführer der it‘s OWL Clustermanagement GmbH) koordiniert.
Beteiligt an diesem Projekt sind die Universität Paderborn, die Universität Bielefeld, die TH OWL, die FH Bielefeld, die Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Paderborn, das Fraunhofer IEM und das Fraunhofer IOSB-INA sowie die Unternehmen Atos, Bette, Bosch Rexroth, Deutsche Angestellten-Akademie OWL, Dr. Oetker, Kannegiesser, Itelligence, Lenze, Miele, WAGO, Weidmüller und die IG Metall.
Stand: 08.12.2025
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* Simon Ratmann arbeitet in Presse und Kommunikation an der Stabsstelle der Universität Paderborn.