„Für Start-up-Unternehmen und kleine Gewerbe ist die kommunale Verwaltung oft ein Erlebnis der ganz analogen Art“, weiß Alexander Handschuh, Sprecher des Deutschen Städte und Gemeindebundes und Leiter des Innovators Club. „Dies macht es für engagierte Gründer unnötig kompliziert, sich mit einem Unternehmen in einer der betroffenen Kommunen niederzulassen. Gerade innovative Unternehmen lassen sich dort nieder, wo man ‚digital‘ spricht. Insofern wirkt sich das Fehlen derartiger Angebote auf die Standortqualität aus.“
Auch mit Blick auf die Digitalisierung der internen Verwaltungsabläufe bleibt laut "Check" noch viel zu tun. Bevorzugtes Kommunikationsmittel innerhalb der Verwaltungen sind noch immer Telefon und E-Mail. Weniger als die Hälfte der befragten Kommunen nutzt Cloud-Lösungen für ihre Datenspeicherung.
Besonders wenn um die Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geht, sind viele Städte und Gemeinden nicht gut aufgestellt. Drei Viertel aller befragten Kommunen geben an, dass sie digitale Weiterbildungsangebote nur unregelmäßig oder gar nicht anbieten. „Mit Blick auf die hohe Veränderungsgeschwindigkeit durch die Digitalisierung besteht hier dringender Handlungsbedarf, besonders im Bereich entsprechender Fortbildungsangebote“, mahnt Alexander Handschuh. „Positiv ist hingegen zu bewerten, dass rund 40 Prozent der Städte und Gemeinden spezifische Informationen für ihre Bürgerinnen und Bürger in einer Geodateninfrastruktur aufbereiten. Dies zeigt, dass hier bereits signifikante Fortschritte erzielt werden konnten“, so Handschuh weiter.
Mobilität: Fördermöglichkeiten werden oft nicht genutzt
Größere Städte über 50.000 Einwohnern nutzen fast immer fest installierte Verkehrsleitsysteme, um Parkplatzsuchende zu vorhandenen Parkplätzen zu leiten. Doch bieten momentan nur knapp 14 Prozent der befragten Kommunen Apps an, die freie Parkplätze im öffentlichen Raum oder Parkhäusern anzeigen.
Auch wenn erst ein Bruchteil der Kommunen die Daten zum Verkehrsaufkommen und zur Parkplatzsituation für Navigationsgeräte und Apps verfügbar macht, planen derzeit immerhin rund 26 Prozent, dieses Thema anzugehen. Um das eigene Verkehrssystem zu digitalisieren, könnten die Kommunen entsprechende Fördermöglichkeiten des Bundes nutzen. Allerdings nehmen über 60 Prozent der an der Umfrage beteiligten Kommunen diese Möglichkeiten derzeit nicht in Anspruch.
„Ähnlich wie beim Breitbandausbau zeigt sich, dass in vielen Städten und Gemeinden offenbar die Ressourcen fehlen, Fördermöglichkeiten zu nutzen – oder die Hürden sind einfach zu hoch“, erklärt TÜV-Experte Ünlü. „Des Weiteren werden die bereits vorhandenen Verkehrsdaten noch nicht ausreichend genutzt. Damit laufen Kommunen Gefahr, digitale Chancen im Mobilitätsbereich zu verspielen.“
Immerhin ist das Thema „Sharing“ in den Kommunen angekommen. Knapp drei Viertel der befragten Kommunen verfügt über Car-Sharing-Angebote, mehr als 30 Prozent zusätzlich über Bike-Sharing.
Auch die Digitalisierung der Verkehrsführung und intelligente Ampelschaltungen stehen bei den Kommunen auf der Agenda. So plant beispielsweise jede dritte Kommune, bei der Ampelschaltung externe Steuerungsmöglichkeiten für besondere Situationen zu etablieren. Im Bereich des ÖPNV fehlt nach Angaben der befragten Kommunen immer noch in fast jeder zweiten Stadt oder Gemeinde eine E-Ticketing-Möglichkeit. Ähnlich sieht es bei der Bereitstellung von Fahrplänen in Echtzeit aus.
Lichtblick beim Thema Energie
Einen Lichtblick gibt es beim Thema Energie. Für die von der Kommune bewirtschafteten Gebäude nutzen Städte und Gemeinden bereits vergleichsweise häufig smarte Technologien. So sind nach Angaben der Befragten bereits mehr als 30 Prozent der Gebäude mit Technologien wie Monitoring- und Steuerungseinheiten ausgestattet, um die Energieeffizienz zu verbessern. 20 Prozent der kommunalen Gebäude sind mit intelligenten Stromzählern ausgestattet, schätzen die Befragten. Außerdem erfassen mehr als die Hälfte der teilnehmenden Kommunen mit mehr als 50.000 Einwohnern die Gebäudedaten digital.
Stand: 08.12.2025
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Ausbaupotenzial gibt es noch im Bereich der Straßenbeleuchtung. Nicht einmal die Hälfte der Leuchten sind mit LED-Technik ausgestattet, nur rund 15 Prozent der Leuchtpunkte mit zusätzlichen Sensoren oder intelligenten Steuerungsvorrichtungen. Nach Einschätzung von Alexander Handschuh seien die Städte und Gemeinden im Bereich Energie alles in allem auf einem guten Weg. „Ein Grund dürfte sein, dass die Kommunen hier durch den Einsatz digitaler Technologien vergleichsweise schnell Geld einsparen können, etwa durch die Reduzierung der Heizkosten oder der Stromkosten für die Straßenbeleuchtung.“
Smarte Cities stehen noch am Anfang
Städte und Gemeinden haben beim Umbau zu digitalen Städten und Regionen immer noch einen weiten Weg vor sich, auch wenn viele der Themen in den Kommunen angekommen sind und für die kommenden Jahre entsprechende Umbauvorhaben geplant werden. Jedoch fehlt es an Kapazitäten und Know-how, die Vorhaben zügig umzusetzen. Bedenklich sei, dass auch in den vergleichsweise großen Städten noch keine flächendeckende Breitbandinfrastruktur vorhanden ist.
„Hier fehlt das Fundament für die digitale Transformation. Die verhältnismäßig geringe Nutzung von Fördermöglichkeiten zeigt, dass ein Abbau der Förderbürokratie und mehr Beratung dringend notwendig sind“, sagt Alexander Handschuh. „Die Mehrheit der teilnehmenden Städte und Gemeinden ist bereit, Investitionen zu tätigen, die eine direkte Kosteneinsparung erbringen. Großflächig in Zukunftstechnologien zu investieren fällt den Städten und Gemeinden jedoch noch schwer“, betont Ünlü.
„Die Ergebnisse des Smart City Readiness Check machen deutlich, dass Kommunen bei der Digitalisierung mehr Fahrt aufnehmen müssen. Es besteht die Gefahr, dass diese abgehängt werden und somit an Attraktivität sowohl als Arbeitgeber als auch als Wohn- und Arbeitsort verlieren. Insofern glauben wir, dass Städte und Gemeinden hier unbedingt aktiv werden müssen. Zudem fehlt es an geschulten Mitarbeitern, also muss der Ausbau der Aus- und Weiterbildungsprogramme für städtische und kommunale Mitarbeiter dringend vorangetrieben werden. Darüber hinaus muss der Zugang zu den Fördermöglichkeiten vereinfacht werden. Das entspricht auch den Erfahrungen, die wir als Verband in unserer täglichen Arbeit machen. Es ist nicht selten, dass gerade kleinere Kommunen an der Komplexität der Förderanträge zu scheitern drohen“, resümiert Alexander Handschuh.
„Bezüglich der Förderprogramme ist Beratung gefragt. Wir müssen die Kompetenzen und das Know-how dringend mit Beratungsexpertise in die Fläche bringen. Des Weiteren ist es aus unserer Sicht nötig, Lösungen für Digitalisierungsprojekte anzubieten, die man auf mehrere Städte und Kommunen übertragen kann. Keine Stadt hat etwas davon, das Rad jedes Mal neu zu erfinden. Eine ‚One-size-fits-all‘-Lösung würde den Gemeinden dabei helfen, einerseits Fördergelder abzurufen und andererseits neue und innovative Digitalisierungskonzepte umzusetzen“, so das Fazit von Gürkan Ünlü.
Über den Innovators Club
Der Innovators Club ist die kommunale Ideenschmiede des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Im Innovators Club arbeiten Oberbürgermeiste(rinnen), Bürgermeister(innen). Landräte und weitere kommunale Entscheidungsträger interdisziplinär gemeinsam mit Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik an Zukunftsthemen der Kommunen. Der Innovators Club wird von namhaften Unternehmen, darunter TÜV Rheinland, in seiner Arbeit unterstützt.
Die Ergebnisse des „Smart City Readiness Check“ umfassen die vier Themenbereiche digitale Infrastruktur, eGovernance, Mobilität und Energie. Weitere Details werden der Innovators Club des Deutschen Städte- und Gemeindebunds und TÜV Rheinland im Rahmen der Smart City Plaza auf der Glasfasermesse „Fiberdays19“ am 28. und 29. März in Wiesbaden vorstellen.