IIoT-PlattformenVolkswagen beschleunigt Aufbau seiner Industrial Cloud
Von
Jürgen Schreier
3 min Lesedauer
Der Volkswagen-Konzern will beim Aufbau seiner Industrial Cloud noch mehr Tempo machen. Momentan sind drei VW-Standorte vernetzt. Bis Ende 2020 sollen 15 weitere Standorte in die IIoT-Plattform integriert werden. Der Konzern verspricht sich davon eine erhebliche Kosteneinsparung.
Bis Ende 2020 sollen 18 Produktionsstandorte des Volkswagen-Konzerns in die Industrial Cloud integriert sein. Der Autobauer verspricht sich davon beträchtliche Einsparungen.
Der Volkswagen Konzern treibt die Integration seiner Fabriken in die Volkswagen Industrial Cloud voran. Ziel ist die Effizienz der Werke weiter zu steigern und die Produktionskosten zu senken. 2019 wurden bereits die ersten drei Werke angebunden. „Für 2020 haben wir uns vorgenommen, bis zu 15 weitere Werke in die Cloud zu bringen“, so Gerd Walker, Leiter Produktion Volkswagen Konzern.
Auch in der Produktionspause während der Corona-Krise habe man an dem Projekt konsequent weitergearbeitet, so Roy Sauer, Leiter Enterprise und Plattform Architektur Volkswagen Konzern. „Wir kommen gut voran und machen jetzt noch deutlich mehr Tempo."
Produktivität soll bis 2025 um 30 Prozent steigen
Volkswagen will die Produktivität seiner Werke von 2016 bis zum Jahr 2025 um 30 Prozent erhöhen. „Unsere Industrial Cloud ist ein ganz entscheidender Hebel, um dieses Ziel zu erreichen“, erläutert Produktionschef Walker. Der Konzern erwartet in Summe Kostensenkungen von mehreren Milliarden Euro, wenn die Daten sämtlicher 124 Werke standardisiert ausgewertet werden können. Die Industrial Cloud basiert auf Amazon Web Services (AWS). Siemens ist Integrationspartner.
Der Volkswagen-Konzern startete 2019, was den Rollout der Industrial Cloud anbetrifft, planmäßig mit den Standorten Chemnitz, Wolfsburg und Polkowice (Polen) der Marke Volkswagen Pkw. „Wir erhöhen jetzt die Schlagzahl und bringen die Industrial Cloud in die Breite“, so Walker.
Anlagendaten kostengünstig sammeln und organisieren
2020 sollen bis zu 15 weitere Werke der Marken Audi, Seat, Skoda, Volkswagen Pkw, Volkswagen Nutzfahrzeuge, Porsche und der Komponente angebunden werden. Dazu gehören die deutschen Standorte Braunschweig, Emden, Hannover, Ingolstadt, Kassel, Leipzig, Neckarsulm, Salzgitter, Zuffenhausen, Zwickau sowie Martorell (Spanien), Palmela (Portugal), Györ (Ungarn), Mladá Boleslav und Vrchlabi (beide Tschechien).
„Wir freuen uns über das hohe Tempo in der Entwicklung und dem Ausbau der Industrial Cloud auf weitere Produktionsstätten von Volkswagen in diesem Jahr”, sagt Dirk Didascalou, Vice President von AWS IoT, Amazon Web Services (AWS). „Die Funktionsvielfalt, die wir gemeinsam auf Basis von AWS-Technologien entwickeln, bietet uns die Möglichkeit Anlagendaten in der Industrial Cloud kostengünstig und standardisiert zu sammeln und zu organisieren. Damit beschleunigen wir die Bereitstellung von Anwendungen, mit denen die Effizienz der Produktion und Logistik von Volkswagen weiter gesteigert wird.“
Daten von hunderttausenden Maschinen in die Cloud
In einem ersten Schritt hat der Volkswagen-Konzern 15 verschiedene Anwendungen definiert, die nun als Apps standardisiert für alle Werke zur Verfügung stehen. Schwerpunkte liegen unter anderem im Bereich der vorausschauenden Wartung der Maschinen oder der Reduzierung von Nacharbeiten an Fahrzeugen durch künstliche Intelligenz (KI). Allein durch die Implementierung der ersten 15 Anwendungen wird eine Kostensenkung von rund 200 Millionen Euro bis 2025 erwartet.
Daten von mehreren hunderttausend Maschinen und Anlagen werden im sogenannten „Brown-Field“-Ansatz von Sensoren erfasst und von standardisierten Apps in der Cloud analysiert. Jede Maschine, Anlage und jedes System wird manuell angeschlossen und bei älteren Anlagen zum Teil auch noch mit Sensoren versehen. In der Endausbaustufe dürfte die täglich ausgewertete Menge an Informationen in der Größenordnung des Datenvolumens einer mittleren deutschen Kleinstadt liegen.
„Wir haben das notwendige Know-how im Konzern, um aus diesen Daten Effizienzpotenziale abzuleiten, und wir bauen dieses weiter aus“, sagt Plattformexperte Sauer. Derzeit sind rund 220 Experten im Konzern mit dem Projekt befasst. Die Zahl soll bis Ende 2020 auf rund 500 steigen.
Volkswagen Industrial Cloud wird industrielles Partnernetzwerk
Die Lösungen und Applikationen, die Volkswagen derzeit entwickelt, werden im Rahmen eines offenen Ökosystems auch anderen Unternehmen zugänglich sein und sollen dann gemeinsam weiterentwickelt werden. In diesem Zusammenhang gibt es keinen Fokus auf den Automobilsektor.
Gespräche mit einer Reihe entsprechender weiterer Partner aus unterschiedlichen Branchen seien bereits sehr weit fortgeschritten, heißt es. Eine gemeinsame Weiterentwicklung und Nutzung bietet für die Beteiligten einen großen Vorteil, weil sie die Plattform und Services nicht selbst entwickeln müssen und von den Synergien im Verbund profitieren.
Stand: 08.12.2025
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