Agentic AI verbindet Wissen mit Handeln. Entscheidend dafür ist ein sicherer, kontextbewusster Ansatz, der Innovation in belastbare Ergebnisse übersetzt.
Agentic AI hat großes Potenzial für industrielle Prozesse, muss aber sorgfältig eingeführt werden.
In den Werkshallen der globalen Industrie vollzieht sich derzeit ein tiefgreifender Paradigmenwechsel, der weit über die klassische Automatisierung von Fließbändern hinausgeht. Nachdem generative KI in den vergangenen zwei Jahren Unternehmen im Sturm erobert hat, beginnt nun die nächste Entwicklungsstufe: Agentic AI. Gemeint sind Systeme, die nicht mehr nur Fragen beantworten oder Texte zusammenfassen, sondern innerhalb komplexer Workflows eigenständig planen, handeln und Probleme lösen.
Eine Studie des MIT zeichnet jedoch ein ernüchterndes Bild. Rund 95 Prozent aller KI-Initiativen erzielen bislang keinen messbaren Return on Investment. Viele Projekte verbleiben im Experimentierstadium und schaffen den Sprung in die reale Produktion nicht.
Bildergalerie
Das Risiko industrieller Halluzinationen
Der wohl größte Hemmschuh für den breiten Einsatz von KI in sicherheitskritischen Branchen wie Luftfahrt, Maschinenbau oder Energieversorgung bleibt das Risiko von Halluzinationen. Wenn ein KI-Modell in einer Konsumentenanwendung ein falsches Kochrezept liefert, ist das lediglich ärgerlich. Interpretiert ein System jedoch Sensordaten in einem Kernkraftwerk falsch oder steuert in einer automatisierten Fertigungsstraße einen Roboterarm um wenige Zentimeter daneben, können die Konsequenzen gravierend bis katastrophal sein.
Industrielle KI verlangt kompromisslose Präzision. Modelle, die überwiegend auf öffentlich verfügbaren Daten trainiert wurden, kennen weder die spezifischen Wartungsprotokolle einzelner Maschinen noch aktuelle Lagerbestände oder interne Compliance-Vorgaben eines Unternehmens. Ohne diesen präzisen Kontext bleibt künstliche Intelligenz für viele Ingenieure und Entscheider ein Fremdkörper, dem sie verständlicherweise mit Skepsis begegnen.
Wie Agentic AI operabel wird
Damit Agentic AI sicher, vertrauenswürdig und effizient in der Industrie eingesetzt werden kann, braucht es weit mehr als die reine Abfrage eines Sprachmodells. Entscheidend ist eine Architektur, die Informationen nicht nur auffindet, sondern strukturiert orchestriert und drei technologische Schlüsselkomponenten miteinander verbindet.
1. Retrieval Augmented Generation
Der wichtigste Mechanismus zur Begrenzung von Halluzinationen ist Retrieval Augmented Generation (RAG). Anstatt Antworten ausschließlich aus Trainingsdaten abzuleiten, greift die KI bei einer Anfrage auf klar definierte interne Datenquellen zu und stellt dem Sprachmodel die relevanten Informationen zur Verfügung, welches auf Basis dieser geprüften Fakten eine Antwort erstellt. Aussagen lassen sich direkt zu konkreten Quellen zurückverfolgen. Für Technikerinnen und Techniker bedeutet das: Sie erhalten nicht nur eine Handlungsempfehlung, sondern auch eine präzise Verlinkung zu der relevanten Stelle in der Dokumentation unter Berücksichtigung ihrer Zugriffsrechte.
2. Model Context Protocol
Ein strukturelles Problem vieler Industrieunternehmen ist die fragmentierte IT-Landschaft. Daten verteilen sich auf ERP-Systeme, CRM-Plattformen, Dokumentenablagen oder spezialisierte Engineering-Software. Das Model Context Protocol, kurz MCP, schafft hier eine standardisierte und sichere Verbindungsebene. Es ermöglicht KI-Agenten einen kontrollierten Zugriff auf kuratierte Unternehmensinformationen, ohne die zugrunde liegenden Systeme direkt offenzulegen. Zugriffsrechte, Compliance-Anforderungen und Sicherheitsrichtlinien bleiben vollständig erhalten.
3. Tool Calling
Agentic AI zeichnet sich dadurch aus, dass sie aktiv mit digitalen Werkzeugen interagieren kann. Über sogenanntes Tool Calling ruft die KI gezielt definierte Funktionen oder Systeme auf. Ein KI-Agent kann beispielsweise erkennen, dass ein Bauteil voraussichtlich ausfällt, anschließend im ERP-System die Ersatzteilverfügbarkeit prüfen oder automatisch eine Benachrichtigung an zuständige Fachkräfte senden.
Solche Aktionen erfolgen jedoch nicht autonom im luftleeren Raum. Sie bewegen sich innerhalb klar definierter Sicherheitsleitplanken. Kritische Schritte können jederzeit einen menschlichen Freigabeprozess erfordern. Dieses Human-in-the-Loop-Prinzip sorgt dafür, dass Effizienzgewinne nicht auf Kosten von Kontrolle, Sicherheit oder Verantwortlichkeit entstehen.
Einzelne Technologien, so leistungsfähig sie auch sind, können die Herausforderungen des KI-Einsatzes in der Industrie nicht allein bewältigen. Fertigungsunternehmen benötigen vielmehr einen zentralen, skalierbaren und nutzerfreundlichen Einstiegspunkt (Insight Workplace), wo vordefinierte KI-Anwendungen für alle Mitarbeitenden gleichermaßen einfach nutzbar sind. Der Insight Workplace fungiert als Rahmen, in dem Retrieval Augmented Generation, Model Context Protocol und Tool Calling nahtlos ineinandergreifen. Anstatt zwischen zahlreichen Anwendungen wechseln zu müssen, interagieren Mitarbeitende über sogenannte Insight Touchpoints mit dem System. Werden mehrere Touchpoints miteinander verknüpft, entstehen Insight Journeys, die Anwenderinnen und Anwender strukturiert durch komplexe Geschäftsprozesse führen, von der ersten Informationssuche bis zur abschließenden Aktion.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Ein Beispiel aus dem Maintenance Engineering verdeutlicht den praktischen Nutzen eines zentralen Einstiegspunktes: Im Falle einer Fehlermeldung, beispielsweise wegen eines kaputtes Bauteils, erhält die zuständige Person im Insight Workplace mit nur einer Abfrage umgehend alle Informationen zu dem betroffenen Bauteil. Das System verknüpft Wartungshistorie, verfügbare Alternativteile, zulässige Reparaturverfahren sowie die Kontaktdaten zuständiger Fachkräfte. Durch integrierte Agentic-AI-Funktionen kann sofort der nächste Prozessschritt gestartet werden, ohne eine andere Anwendung aufrufen zu müssen.
Der Druck zur Automatisierung ist längst keine Option mehr, sondern eine strategische Notwendigkeit. Unternehmen, die ihre wertvollste Ressource, Information, weiterhin in Silos isolieren, setzen ihre Zukunftsfähigkeit aufs Spiel. Der Wandel vom reaktiven Wissensabruf hin zur proaktiven Wissensorchestrierung wird 2026 zu einer zentralen Kompetenz leistungsstarker Organisationen.
Dabei geht es nicht um die Substitution menschlicher Expertise, sondern um ihre funktionale Erweiterung. Eine KI, die mitdenkt, relevante Informationen proaktiv bereitstellt und Routineaufgaben übernimmt, schafft Freiräume für das Wesentliche. Sie stärkt Fachkräfte dort, wo ihr Beitrag unersetzlich ist: bei strategischen Entscheidungen, komplexen Abwägungen und kreativer Problemlösung.