Digitale Produktionsabbildung
Digital Twins – mehr als Prestigeprojekte für Großkonzerne?

Ein Gastbeitrag von Christian Heinrich* 6 min Lesedauer

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Wer Digital Twin hört, denkt meist an futuristisch anmutende Konzernprojekte. Für den Mittelstand scheint die Technologie zu teuer und praxisfern zu sein. Doch sie wird zum Standard werden. Auch KMUs sollten einsteigen – in kleinen Schritten, aber mit konkretem Nutzen.

Das digitale Typenschild ist eine niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeit in die Digital-Twin-Technologie.(Bild:  Xitaso)
Das digitale Typenschild ist eine niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeit in die Digital-Twin-Technologie.
(Bild: Xitaso)

Hochkomplexe Simulationen, die den Produktionsablauf um Millisekunden in die Zukunft projizieren, um Fehlfunktionen im Voraus zu erkennen. Oder dynamische Abbildungen der physischen Welt, die so realitätsgetreu sind, dass sie ein umfassendes Ausprobieren komplexer Parameterkonstellationen ermöglichen – von der optimalen Fertigungstemperatur bis hin zum richtigen Mischverhältnis der genutzten Materialien. Szenarien wie diese, die Produktionsabläufe optimieren, Ausschuss minimieren und hauptsächlich in großen, internationalen Konzernen realisiert werden, prägen derzeit unser Bild von der Digital-Twin-Technologie.

Die Realität im deutschen Mittelstand spiegelt diese Vorstellung jedoch kaum wider. In den Führungsetagen kleiner und mittlerer Unternehmen wird der Begriff als erklärungsbedürftig empfunden, ein konkreter, unmittelbarer Nutzen, der mit angemessenen Mitteln erreicht werden könnte, lässt sich nicht erkennen. Entsprechend wirken Hightech-Szenarien eher abschreckend und hemmend als inspirierend und nachahmenswert. Der Mittelstand befürchtet hohe Investitionen in eine aus seiner Sicht unerprobte Technologie, die sich im besten Fall erst in mehreren Jahren auszahlt, im schlimmsten Fall überhaupt nicht.