In dieser wöchentlichen Serie dreht sich alles um die Entwicklung einer erfolgreichen IIoT-Plattform. Teil 1 widmet sich – wie könnte es anders sein - der Planung einer entsprechenden Lösung.
Die Entwicklung einer IIoT-Plattform ist aufwendig – der Rückgriff auf eine bereits vorhandene Infrastruktur ist eine Option.
Die Planung, Entwicklung und Implementierung einer erfolgreichen Lösung für das Industrial Internet of Things (IIoT) kostet viel Zeit und Geld. Neben der Erstellung eines Businessplans und der Konzeption eines überzeugenden Angebots müssen sich die Verantwortlichen mit der Planung von DevOps-Teams, der Lösung von Sicherheitsfragen und Konnektivitätsproblemen beschäftigen. Außerdem sollte die Infrastruktur skalierbar sein und eine vollständige Kostenkontrolle erlauben.
Eine große Entlastung kann es für Unternehmen daher sein, bereits vorhandene Infrastrukturtechnologien rund um das IIoT zu nutzen. Ein Beispiel dafür ist Siemens MindSphere, ein offenes, Cloud-basiertes IoT-Betriebssystem. Im Januar 2018 startete es auf Basis der Amazon Web Services Cloud. Das Angebot bietet vom Start weg Funktionen und Services rund um IoT und Big Data, die hauseigene Entwickler erheblich entlasten. Dadurch ist MindSphere stabil, skalierbar und ausfallsicher.
Auf dem IIoT-Markt operieren Anbieter mit verschiedenen Geschäftsmodellen, die sich grob in drei Varianten aufteilen lassen. Mit der Entscheidung für eines davon, ergibt sich der Aufbau der passenden Infrastruktur.
1. Lösungsanbieter
Beim Lösungs-Geschäftsmodell oder Projekt-Geschäftsmodell konzentriert sich ein Unternehmen auf die Beratung und anschließende Entwicklung individueller IT-Angebote. Typischerweise sollen bei den meisten dieser Lösungen konkrete Einblicke aus Daten abgeleitet werden, auf deren Basis eine konkrete Handlung folgen kann. Geräte oder Softwaresystemen sammeln die dafür nötigen Informationen. Der Anwendungsfall ist von Anfang bis Ende abgebildet, die sich daraus ergebenden Anforderungen sind klar festgelegt und werden direkt umgesetzt. Darüber hinaus spielen Servicevereinbarungen und Supportverträge für das Geschäft eine wichtige Rolle.
Der Wettbewerb in diesem Sektor wird hauptsächlich durch die Kosten und die Entwicklungsgeschwindigkeit bestimmt. Entsprechende Anbieter implementieren oft Drittanbietertechnologien auf internen Plattformen und erhalten dadurch mehrfach wiederverwendbare Funktionen. In anderen Fällen bauen sie ein mandantenfähiges System zur Kundenbetreuung auf. Wie bei vielen kundenspezifischen Lösungen kann sich die Time-to-Value allerdings durch zusätzlichen Kosten- und Zeitaufwand verlängern. Unternehmen, die mit diesem Geschäftsmodell arbeiten, sind meist Kunden von Firmen, die eines der beiden anderen Modelle einsetzen.
Im Rahmen dieses Modells entwickeln und liefern Unternehmen Lösungen, die ein klar abgegrenztes Problem im industriellen IoT-Bereich lösen. Dabei kann es sich um Angebote zur Verwaltung von Gerätezertifikaten oder für die einfache Erstellung virtueller, softwaredefinierter Netzwerk-Overlays zur Sicherung des Betriebs handeln. Mit einer einmal entwickelten Lösung sollen idealerweise viele Nutzer angesprochen werden.
Oft gibt es jedoch mehrere Anbieter, die ähnliche Lösungen im Portfolio haben. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sich Unternehmen bei Betrieb und Funktionalität ihrer Technologie abheben. Zugleich muss sich die Zielgruppe – Lösungsanbieter und Integratoren – mit einer Vielzahl von Entscheidungskriterien beschäftigen. Dazu gehören beispielsweise die Skalierbarkeit, Ausfallsicherheit, allgemeine Sicherheit, Vertragsbedingungen, Lizenzbedingungen und Lieferantenstabilität.
In diesem Modell verbindet eine gemeinsame Plattform Anbieter und Verbraucher. Im Konsumenten-Bereich sind beispielsweise Airbnb, Uber und eBay namhafte Plattformunternehmen, im IIoT-Bereich ist es exemplarisch MindSphere. Unternehmen, die dieses Geschäftsmodell nutzen, müssen keine der Assets, um die es auf der Plattform geht, selbst produzieren oder besitzen. Sie agieren lediglich als Vermittler. Die eigentliche Wertschöpfung erfolgt an anderer Stelle.
Die Stärke dieses Ansatzes liegt in seiner Skalierbarkeit und dem Potenzial eines hohen Geschäftsvolumens. Zugleich ist die Umsetzung dieses Modells am anspruchsvollsten. Schließlich benötigen Kunden sehr individuelle Lösungen für sehr unterschiedliche Probleme. Hierfür gilt es viele Anbieter zu gewinnen, die ihre Lösungen dann auf der Plattform bereitstellen. Zudem muss diese hochgradig skalier- und belastbar sein sowie eine Isolierung einzelner Kunden sicherstellen.
Im nächsten Teil der Serie dreht sich alles um die Frage, wie ein auf dem Plattform- oder Ökosystem-Ansatz aufgebautes Geschäftsmodell erfolgreich modelliert werden kann und welche Fallstricke dabei drohen.
Stand: 08.12.2025
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* Kathleen deValk arbeitet als Chief Architect Siemens MindSphere.