Augmented Reality
Wie reif ist Augmented-Reality-Technologie in der Industrie wirklich?

Ein Gastbeitrag von Dr. Peter Keitler* 4 min Lesedauer

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Längst ist Augmented Reality in aller Munde – doch erst jetzt sind die Technologien so weit entwickelt, dass sie breit ausgerollt und genutzt werden. Inzwischen hat die Technologie jedoch die nächste Entwicklungsstufe erreicht. Doch warum genau ist AR jetzt mehr als ein bloßer Hype?

Die Verknüpfung analoger Prozesse mit AR-Technologie hat sich in der Industrie inzwischen zu einer Geschäftspriorität entwickelt.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Die Verknüpfung analoger Prozesse mit AR-Technologie hat sich in der Industrie inzwischen zu einer Geschäftspriorität entwickelt.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Augmented Reality hat mit neuer Trackingtechnologie und der Verfügbarkeit von 3D-Daten zwei große Hürden genommen. So ist die Nachvollziehbarkeit der dynamischen Bewegungen von Betrachter und Objekt ist in den letzten Jahren weitaus robuster geworden. Hat sich eine Karosse beispielsweise entlang einer Fertigungsstraße bewegt, war die Technologie in der Vergangenheit noch nicht weit genug fortgeschritten, um der Bewegung zu folgen. Durch entsprechende Leistungszuwächse bei mobilen Endgeräten sowie bei den Algorithmen für markerlos-modellbasiertes Tracking, ließen sich erstmals diese alten Hemmschuhe auf breiterer Front und für eine Vielzahl von Anwendungsfällen überwinden. Jetzt ist es beispielsweise möglich, Daten zur Montage zuverlässig auch auf bewegte Bauteile am Fließband zu projizieren oder interaktiv mit einem Tablet um ein Bauteil herumzugehen, ohne dass man ständige Trackingabbrüche fürchten muss.

Eine weitere Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Weiterentwicklung von AR ist die Verfügbarkeit von 3D-Daten. Wurde bis vor einigen Jahren vielerorts noch in 2D gezeichnet, so hat sich die vollständige Konstruktion von Produkten in einem 3D-Master mittlerweile weitgehend durchgesetzt. Relevante Inhalte wie Montagepositionen und komplexe Beschnitte, können nun ohne weiteren Authoring-Aufwand komplett vorliegen. Doch verlangen die 3D-Daten den Endgeräten im Industrieeinsatz enorme Rechenleistung ab. Während es bei Videospielen schon länger gängig ist, dass Geräte den Großteil der Rechenarbeit auslagern und lediglich die zu visualisierenden Inhalte streamen, hat sich dieser Ansatz in den Fertigungshallen erst kürzlich durchgesetzt. Inzwischen sind Hardware-Einschränkungen vielerorts passé und Internet sowie WLAN haben auch auf dem Shopfloor Einzug gehalten. Damit gelingt es nicht nur, die Datenversorgung lückenlos zu gewährleisten, sondern auch Daten trotz rechenintensiver Prozesse dynamisch zu visualisieren. Komplizierte Berechnungen lassen sich nun aus der Cloud bereitstellen. Werden die Ergebnisse auf das Gerät gestreamt, entfallen die Beschränkungen rechenschwacher AR-Devices wie Tablets und Brillen.