Eine repräsentative Umfrage von Hirschtec untersucht, wie Arbeitnehmer die digitale Arbeitswelt seit Corona sehen. Ein zentrales Ergebnis: Alter und Bildung sind entscheidend, wie die Digitalisierung der Arbeitswelt aufgenommen wird.
Vor allem jüngere Berufstätige sind von digitalen Tools überzeugt und wünschen sich flexible Arbeitsmodelle.
Durch die Coronapandemie und den Lockdown hat die Arbeitswelt zwangsläufig eine beschleunigte Digitalisierung erlebt. Was bleibt nach dem Lockdown – und was hat sich bewährt? Eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Kantar im Auftrag von Hirschtec, Agentur für digitale Arbeitsplätze, zeigt, wie Mitarbeiter die digitale Arbeitswelt seit dem Corona-Lockdown wahrnehmen. Befragt wurden etwa 1.000 Berufstätige in Deutschland im Juli und August 2020.
Telefon, Mail oder Chat – wie tauschen sich Mitarbeiter aus?
Bei den verwendeten digitalen Kommunikationsmitteln verliert zunehmend das Telefon: Zum direkten Austausch mit Kollegen nutzt die Hälfte der Befragten das Telefon – in einer Umfrage aus dem Jahr 2017 waren das noch 63 Prozent. Dagegen nutzen etwa genauso viele die Mail zum regelmäßigen Austausch, und knapp ein Drittel nutzt zudem Chatfunktionen.
Hier zeigt sich ein deutlicher Altersunterschied: Fast die Hälfte der Mitarbeiter unter 40 Jahren nutzen die Chatfunktion, wohingegen nur 24 Prozent der über Vierzigjährigen beruflich Chats nutzt. Berufstätige mittlerer und älterer Altersklassen scheinen diesem schnellen digitalen Kommunikationsweg wenig aufgeschlossen gegenüber zu sein, was sich auch daran zeigt, dass diese Gruppe auch deutlich häufiger (62 %) die traditionelle E-Mail nutzt.
Außerdem nutzen Kollegen häufiger Chats, wenn sie einen höheren Bildungsabschluss haben. Befragte mit Abitur oder Universitätsabschluss nutzen laut Umfrage fast zweieinhalbmal öfter Chat-Dienste als Beschäftigte mit Hauptschulabschluss. Wahrscheinlich ist, dass viele Berufstätige mit niedrigerem Bildungsabschluss in handwerklichen oder produktionsnahen Berufen arbeiten, in denen digitale Kommunikation noch keine Rolle spielt.
Auffällig bei Berufstätigen in Bayern: Sie scheinen besondere „Chat-Muffel“ zu sein bzw. in Unternehmen zu arbeiten, die keine Chat-Dienste anbieten. Fast zwei Drittel geben an, Chat-Dienste selten bis nie zu verwenden. Zum Vergleich: In Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sagen dies nur 44 Prozent.
Steigern die digitalen Tools auch die Produktivität?
Auch hier gibt es große Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Fast zwei Drittel der unter 40-jährigen bejahen, dass digitale Tools – beispielsweise Intranet, virtuelle Arbeitsräume oder Dateiaustausch – sie auch langfristig produktiver arbeiten lassen. Dagegen sind es weniger als die Hälfte bei den über 40-jährigen Berufstätigen. Ebenso zeigt sich wieder ein Unterschied im Bildungsabschluss: Je höher der Abschluss, desto eher sind die Benutzer überzeugt vom nachhaltigen Nutzen der digitalen Werkzeuge.
Junge, berufstätige Frauen wünschen sich signifikant häufiger flexible Arbeitsmodelle
Mehr als die Hälfte wünscht sich flexible Arbeitszeit- und ortmodelle – vor allem jüngere Beschäftigte in den Dreißigern wünschen sich diese Möglichkeiten. Zudem ist hier der Unterschied zwischen Männern und Frauen auffällig: Unter den Frauen sind es zwei Drittel, die sich flexible Arbeitszeit- und Arbeitsortmodelle von ihrem Arbeitgeber wünschen, bei den Männern ist es nur knapp die Hälfte. Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass sich Mitarbeiter unter 40 Jahren oft mitten in der Familienplanung befinden. Frauen stehen häufiger vor der Herausforderung, Familie und Berufsleben in Einklang zu bringen.
Die Digitalisierung kann auch digitalen Stress mit sich bringen – ständige Erreichbarkeit, die Gefahr, überwacht zu werden oder die Überforderung mit neuen Tools: Hier wünschen sich über ein Drittel offizielle Regelungen zur digitalen Erreichbarkeit und fast ein Drittel klare Vorgaben dazu, welches digitale Tool für welchen Anwendungsfall genutzt werden soll.
Fazit: Was Unternehmen bei der Digitalisierung beachten sollten
Damit digitale Werkzeuge langfristig funktionieren, müssen Arbeitgeber verbindliche Regeln für das digitale Arbeiten schaffen und flexible Arbeitsmodelle ermöglichen. Damit können sie rechtzeitig verhindern, dass sich Mitarbeiter digital gestresst fühlen und ihre Produktivität leidet.
Hirschtec empfiehlt, dass Unternehmen genau analysieren sollten, welche digitalen Kern-Tools überhaupt unternehmensweit zum Einsatz kommen sollten und klare Anwendungsfälle definieren. Für einzelne Unternehmensbereiche sollten sie bestimmte Zusatz-Tools festlegen – denn was für den Mitarbeitenden im Accounting-Team sinnvoll ist, ist es noch längst nicht für Mitarbeiter im Außendienst. Außerdem sollten die Mitarbeitenden je nach Bedarf alters- und jobprofilspezifisch im Umgang mit den modernen Werkzeugen persönlich trainieren und – z. B. in Form von Hilfe-Communities – auch eine virtuelle Anlaufstelle für ihre Fragen und Nöte rund um den digitalen Arbeitsplatz bekommen.
Stand: 08.12.2025
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