3D-Druck, IoT-Plattformen, 5G und Gaia-X - Corona hat die Digitalisierung deutscher Industrieunternehmen vorangetrieben. Wo Unternehmen stehen und was sie weiterbringt, beleuchtet die aktuelle Biktom-Studie.
Corona hat zu einem enormen Digitalisierungsschub geführt.
Viele Industrieunternehmen geben an, schlecht durch die Corona-Zeit zu kommen - gleichzeitig hat die Digitalisierung für fast jedes Unternehmen an Bedeutung gewonnen. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Bitkom-Umfrage.
Die Digitalisierung als Krisenbewältiger
Wer digitalisiert ist, kommt besser durch die Krise: 6 von 10 Unternehmen geben an, dass ihnen digitale Technologien helfen, die Corona-Pandemie zu bewältigen. Und drei Viertel (77 Prozent) haben festgestellt, dass Unternehmen, deren Geschäftsmodell bereits digitalisiert ist, besser durch die Krise kommen.
Hintergrund zur Studie
Die repräsentativen Studie zur Digitalisierung der deutschen Industrie wurde im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt. Insgesamt wurden 551 Industrieunternehmen ab 100 Beschäftigten im Februar und März 2021 befragt wurden.
Corona bestimmt seit über einem Jahr unser Leben - auch die Industrie hat darauf reagiert: acht von zehn Uuntrenehmen passen ihre bestehenden Produkte und Dienstleistungen an, knapp die Hälfte bietet auch neue Produkte und Dienstleistungen. Etwa jedes dritte Unternehmen nehmen bestimmte Angebote vom Markt.
Die Digitalisierung wird mit Corona nicht abgeschlossen sein - im Gegenteil: über 60 Prozent der Unternehmen wollen als Folge der Pandemie langfristig die Digitalisierung vorantreiben.
Industrie 4.0 spielt für alle Unternehmen eine Rolle
Industrie 4.0 ist inzwischen für alle größeren Industrieunternehmen ein Thema. Fast zwei Drittel (62 Prozent) setzen bereits spezielle Anwendungen wie vernetzte Produktionsanlagen, Echtzeit-Kommunikation zwischen Maschinen oder intelligente Roboter ein. Vor drei Jahren lag der Anteil noch bei 49 Prozent. Jedes fünfte Unternehmen plant aktuell den Einsatz von Industrie 4.0. Weitere 16 Prozent planen noch keine konkreten Schritte, können sich das aber für die Zukunft vorstellen. Erstmals gibt kein größeres Industrieunternehmen mehr an, dass Industrie 4.0 kein Thema ist.
4 von 10 Unternehmen nutzen IoT-Plattformen
Aktuell nutzen 4 von 10 Industrieunternehmen ab 100 Mitarbeitern IoT-Plattformen, mit denen Daten von Geräten, Maschinen und Anlagen an zentraler Stelle zusammengeführt und ausgewertet werden können. Jedes dritte Unternehmen plant die künftige Nutzung, für knapp jedes fünfte Unternehmen sind IoT-Plattformen derzeit kein Thema.
3D-Druck und 5G: Nutzung steigt
Ebenfalls 4 von 10 Industriebetrieben setzen 3D-Druck ein, fast ebenso viele planen oder diskutieren den Einsatz. Nur 14 Prozent wollen erst einmal auf 3D-Druck verzichten.
Herausragende Bedeutung kommt dem neuen Mobilfunkstandard 5G für die vernetzte Produktion zu. Inzwischen halten 85 Prozent der Industrieunternehmen die Verfügbarkeit von 5G für wichtig für das eigene Unternehmen, vor einem Jahr waren es 72 Prozent. Umgekehrt hat sich der Anteil der Unternehmen, die 5G für unwichtig halten, von 26 auf 13 Prozent halbiert.
Mehr Arbeitsplätze für Fachkräfte
Industrie 4.0 wird zugleich auch die Arbeit in den Fabriken verändern. So erwarten 6 von 10 Unternehmen, dass neue Arbeitsplätze für gut ausgebildete Fachkräfte entstehen. Zugleich gehen aber auch rund zwei Drittel davon aus, dass Arbeitsplätze für gering Qualifizierte wegfallen werden. Ebenfalls rund zwei Drittel der Industrieunternehmen investieren bereits in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter rund um Industrie 4.0.
Ausgaben für Industrie 4.0 sind eher gestiegen
Unternehmen, die bereits Industrie-4.0-Anwendungen einsetzen oder dies planen, haben ihre Aktivitäten in der Corona-Krise tendenziell verstärkt. 42 Prozent haben in der Zeit ihre Investitionen in Industrie 4.0 erhöht. Nur 23 Prozent haben die Ausgaben gesenkt. In jedem dritten Unternehmen hat sich nichts geändert.
Hinderungsgründe und Wünsche von Unternehmen
Hürden, vor denen Unternehmen im Zusammenhang mit Industrie-4.0-Anwendungen stehen, sind:
Fehlende finanzielle Mittel (77 %)
Datenschutz-Anforderungen (61 %)
Anforderungen an die IT-Sicherheit (57 %)
Fehlende Fachkräfte (55 %)
Komplexität des Themas (52 %)
Störanfälligkeit der Systeme (48 %)
Fehlener Austausch mit anderen Unternehmen (29 %)
Zeitmangel (25 %)
Mangel an externer Beratung (14 %)
Fehlendes Wissen über Best-Prectise-Lösungen (12 %)
Fehlende Standard (11 %)
Wenige marktfähige Lösungen (10 %)
Zu geringe Akzeptanz in der Belegschaft (9 %)
Im Gegenzug dazu wünschen sich Industrieunternehmen folgendes:
Abbau von rechtlichen Unsicherheiten beim Datenaustausch mit anderen Unternehmen (84 %)
Förderung von Investitionen (80 %)
Beschleunigter Breitbandausbau (78 %)
Mehr und bessere Informations- und Beratungsangebote (63 %)
Integration von Industrie 4.0 in Ausbildung und Studium (53 %)
Aus- und Weiterbildungsprogramme für die Mitarbeiter helfen (48 %)
Förderprogramme für Forschung und Entwicklung (47 %)
Etablierung von Standards (34 %)
Gaia-X: Für viele Unternehmen eine Unbekannte
Die europäische Initiative Gaia-X will den Datenaustausch mit anderen Unternehmen verbessern - ist aber bei vielen Unternehmen noch unbekannt. Bislang haben nur 4 von 10 Unternehmen davon gehört und wissen, was sich dahinter verbirgt.
Auch die Einstellung gegenüber dem Projekt ist noch gespalten: Ein Drittel sieht es als Ergänzung zu bisherigen Angeboten und 26 Prozent gehen davon aus, dass damit ganz neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnet werden. Umgekehrt halten aber 28 Prozent Gaia-X für irrelevant für das eigene Geschäftsmodell, 11 Prozent sehen keinen Bedarf an einer solchen Infrastruktur und 5 Prozent fühlen sich durch Gaia-X in ihrem Geschäftsmodell bedroht.
Stand: 08.12.2025
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