In einer gemeinsamen Studie von McKinsey und dem VDMA wurde untersucht, wie es um die digitalen Angebote der Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland steht – und was sich die Endkunden eigentlich wünschen. Das stimmt nicht immer überein.
Maschinen- und Anlagenbauer haben noch enormes Potential beim Ausbau digitaler Angebote – doch hier lauern viele Fallstricke.
In der gemeinsamen Studie der Unternehmensberatung McKinsey und dem VDMA „Kundenzentrierung als Chance für den digitalen Durchbruch“ wurden Maschinenbauer wie Endkunden zur Digitalisierung des Produkt- und Serviceangebots der Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland befragt. Was der Maschinenbau anbietet und was die Endkundenindustrie möchte, stimmt dabei nicht immer überein.
Der digitale Aufbau von Infrastrukturen verläuft sehr unterschiedlich. Während einige Unternehmen bereits eigene digitale Plattformen geschafften haben – etwa Mindsphere oder Axoom – können andere die hohen Erwartungen oft nicht erfüllen.
Welche digitalen Angebote in der Studie untersucht wurden
Der Fokus der Studie richtete sich sowohl auf Mehrwertdienste – also sogenannte „Software-as-a-Service“ (SaaS). Dazu gehören digitale Lösungen, Software und Apps für bestehende Infrastrukturen oder digitale Plattformen, um einen Nutzen für den Kunden zu generieren.
Zudem wurden Digitale Plattformen untersucht – sogenannte „Platforms-as-a-Service“ (PaaS). Diese Plattformen verbinden Teilnehmer, also Unternehmen und Maschinen, um Daten auszutauschen. Durch den gegenseitigen Einfluss von Kunden und Anbietern generiert die digitale Plattform einen Netzwerkeffekt, wodurch ein digitales Ökosystem aufgebaut wird.
Ergebnisse aus der Studie: Was Maschinen- und Anlagenbauer beachten müssen
Maschinen- und Anlagenbauer müssen vermehrt aus Anwendersicht ihrer digitalen Produkte denken. Bisher sind digitale Produkte oft nur Ausgangspunkt ihrer eigenen digitalen Lösungen.
Der Aufbau einer eigenen digitalen Plattform muss sehr gut überlegt sein: Der Markt ist klein und anspruchsvoll. Eine besondere Herausforderung ist, dass sich meist nur eine digitale Lösung durchsetzt und den Großteil des Marktes besitzt, während dann andere Plattformen keine Chance mehr haben. Das ist stark abhängig von der Zielbranche: Die Automobilbranche beispielsweise bietet keine Möglichkeit mehr, neue digitale Plattformen am Markt zu etablieren. In anderen Branchen, in denen es noch keinen Industriestandard gibt und viele kleine Endkunden arbeiten, bestehen noch Chancen.
Es gibt nicht die eine gültige Strategie, wie Maschinen- und Anlagenbauer die Digitalisierung angehen sollten.
VDMA-Experte Prof. Oetter
Maschinen- und Anlagenbauer sind zudem sehr selbstbewusst, was ihre digitalen Plattformen angehen: Sie sind überzeugt, die Bedürfnisse ihrer Kunden im Gegensatz zu branchenfremden Unternehmen – z.B. aus dem Softwarebereich – am Besten erfüllen zu können. Endkunden sehen das oftmals anders: Vor allem Endkunden, die bereits weit in der Digitalisierung fortgeschritten sind, haben stattdessen eigene Plattformen, teilweise mit Softwareunternehmen, aufgebaut, die genau ihren Bedürfnissen entsprechen.
Maschinen- und Anlagenbauer, die digitale Plattformen aufbauen wollen, können vor allem mit ihrem guten Prozessverständnis punkten. Was dem Maschinenbetreiber wichtig ist: Dienste sollten benutzerfreundlich und herstellerunabhängig sein.
Handlungsempfehlungen unterschieden nach Endkunden
Spezifische Handlungsempfehlungen für die Automobilindustrie
Hier lohnen sich keine neuen Plattformen, resümiert die Studie. OEMs und Zulieferer verfügen über eigene IoT-Plattformen. Lohnen können hier aber Mehrwertdienste, die die Effizienz und Qualität herstellerunabhängig verbessern können.
Für den Großteil der Unternehmen wird sich eine eigene Plattform nicht auszahlen – hier sollten sie vielmehr auf Kompatibilität und gemeinsame Standards setzen.
VDMA-Experte Prof. Oetter
Spezifische Handlungsempfehlungen für Maschinen- und Anlagenbauer
Analog zur Automobilindustrie lohnt auch im Maschinen- und Anlagenbau als Endkunden neue digitale Plattformen nicht. Einzig im Sondermaschinenbau können Anlagenbauer offene, segmentübergreifende Plattformen entwickeln.
Spezifische Handlungsempfehlungen für Nahrungs-, Genussmittel- und Pharmaindustrie
Bisher ist in diesem Bereich noch keine Industrie- Standardplattform etabliert. Gefragt sind Plattformen, die den gesamten Produktionsprozess herstellerunabhängig verfolgen. Wichtige Punkte: Ressourcenoptimierung, Linienflexibilität und kurze Rüstzeiten.
Spezifische Handlungsempfehlungen für Metallherstellung und -verarbeitung
Neue Plattformen braucht es hier nicht, da der Markt bereits besetzt ist. Gefragt ist aber, Vernetzung über den gesamten Produktionsprozess zu erreichen und die Qualität zu verbessern.
Digitale Plattformen – Potential für Maschinen- und Anlagenbauer
Aktuell liegt das Volumen des westeuropäischen Markts für IIoT-Plattformen und digitalen Mehrwertdienste bei ca. 40 Milliarden Euro pro Jahr, mit einem geschätzten Wachstum um 10 Prozent pro Jahr bis 2024. Anteilig am Gesamtumsatz im europäischen Maschinenbau macht das erst rund 0,7 Prozent – etwa 6 Milliarden Euro – aus. Insgesamt wird der Marktanteil von Maschinen- und Anlagenbauern derzeit auf ca. 15% des gesamten westeuropäischen IIoT-Markts geschätzt.
„Der aktuell relativ geringe Marktanteil für digitale Plattformen und Mehrwertdienste sowie das zu erwartende zweistellige Wachstum dieses Marktes birgt ein großes Potenzial für die Maschinen- und Anlagenbauer – ist aber gleichzeitig auch eine Warnung“, sagt Dorothee Herring von McKinsey, Co-Autorin der Studie. Hochwertige Produkte bleiben wichtig, allerdings erwarten die Kunden zunehmend integrierte digitale Services rund um die Maschine – unabhängig vom Hersteller. „Hier muss der Maschinen- und Anlagenbau nachlegen.“
Stand: 08.12.2025
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Die Hürden auf dem Weg zum digitalen Portfolio
Hier wollen Unternehmen das Potential nutzen und setzen auch auf Kooperation: Rund 77 Prozent der befragten Firmen gibt an, die Zusammenarbeit in Anbieterkonsortien sei ein erfolgversprechender Weg für den Aufbau digitaler Plattformen. 71 Prozent nennen darüber hinaus Kooperationen mit Startups als gute Lösung. Nur etwa jedes fünfte Unternehmen kann sich auch Kooperationen mit Wettbewerbern vorstellen.
Als größte Hürden für die Entwicklung eigener digitaler Dienste werden von den Unternehmen fehlende Geschäftsmodelle (61 Prozent), fehlende Standards (59 Prozent) und mangelnde strategische Relevanz (57 Prozent) angesehen. Allerdings haben bereits 52 Prozent der befragten Unternehmen Software und Apps für eigene oder fremde digitale Plattformen programmiert. Jedes zehnte Unternehmen konnte diese bereits erfolgreich skalieren.
Die Studie
Der Studie zugrunde liegen empirische Untersuchungen unter Maschinen- und Anlagenbauern sowie Interviews mit Vertretern aus verschiedenen Endkundenindustrien.