Brand ProtectionStartup macht mit KI Jagd auf Produktpiraten
Von
Jürgen Schreier
3 min Lesedauer
Plagiate verursache jährlich Milliardenschäden. Mit intelligenter Software durchsucht das Berliner Startup Sentryc rund um die Uhr Online-Marktplätze und das Social Web nach potentiellen Fälschungen und unterstützt Firmen IT-basiert beim Entfernen der Angebote aus dem Netz.
Die KI-basierte Software von Sentryc spürt im Internet angebotene Produktfälschungen und Plagiate auf.
(Bild: Sentryc)
Wer kennt ihn nicht, den Plagiarius, der alljährlich (2020 zum 44. Mal) auf der Frankfurter Konsumgütermesse Ambiente verliehen wird.
Die "Auszeichnung" geht an Hersteller und Händler besonders dreister Plagiate und Fälschungen. Die Spanne der gefälschten oder "nachgeahmten" Produkte reicht von der Kehrmaschine über den Rucksack bis hin zum Küchenschneidegerät. Dabei sitzen die Plagiatoren keineswegs nur in Fernost. Auch in Europa möchte so mancher Trittbrettfahrer vom Erfolg eines Wettbewerbsprodukts profitieren.
Sogar die Verpackung des Plagiats wird nachgemacht
Ein besonders kurioses Beispiel, das in diesem Jahr mit einem Plagiarus geehrt wurde, ist ein Nassrasierer der Guangzhou Ming Shi Shaver Ltd. (China), der einem Produkt der Solinger Traditionsmarke Merkur (gegründet 1896) gleicht. Vertrieben wurde das Plagiat auf Amazon.de und dort in Text und Bild und mit dem Slogan "Tradition & Design" als Merkur-Rasierer beworben. Sogar die pfiffige Verpackungskonstruktion haben die Chinesen kurzerhand nachgemacht.
Nicole-Jasmin Hofmann ist CEO und Co-Founderin der Technologieunternehmens Sentryc.
(Bild: Sentryc)
Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) schätzt den Schaden, der 2019 durch Plagiate entstand, auf 7,6 Milliarden Euro. Im Vergleich zur vorherigen Studie von 2018 erhöht sich der Umsatzschaden damit um 300 Millionen Euro. Durchschnittlich beträgt der Schaden pro Unternehmen 4,9 Prozent des Jahresumsatzes.
Dabei bilden lediglich die Umsatzeinbußen ab, nicht aber den langfristigen Imageschaden und die damit zusammenhängenden Auftragseinbrüche. Denn enttäuschte Kunden kaufen keine Produkte dieses Herstellers mehr und gefälschte Komponenten und Ersatzteile können katastrophale Folgen bedeuten.
KI-basierte Software durchsucht Onlinekanäle nach Produktfälschungen
Wie das Beispiel des edlen Rasierer aus der "Klingenstadt" Solingen zeigt, werden Plagiate häufig über Onlinekanäle vertrieben. Und genau da setzt das Berliner Startup Sentryc ab, das automatisierten Produkt- und Markenschutz im Internet ermöglicht.
Dazu durchsucht die Software Online-Marktplätze und das Social Web nach potentiellen Fälschungen, meldet Vorfälle und unterstützt IT-basiert beim Entfernen aus dem Netz. Denn um Produktpiraten das Handwerk zu legen, kommt mit "Googeln" nicht weiter. Sentryc spürt die Fälscher mittels KI auf und gibt Rechteinhabern die Macht, unrechtmäßige Angebote mit einem Klick zu beenden.
Die intelligente Software von Sentryc durchsucht mehr als 120 internationale Online-Marktplätze und alle führenden sozialen Netzwerke zu jeder Tag- und Nachtzeit. Auf Basis von Machine Learning kombiniert ihr Suchalgorithmus relevante Schlagwörter, Detailbeschreibungen und Bilder, um potentielle Verletzungen zu finden.
Auch den Abgleich manipulierter Bilder, Fotos von Fälschungen oder Produkten und Logos sowie verdächtiger Verlinkungen und Hashtags decken die Lösungen Marketplace Scan und Social Media Scan ab. Neben Produktfälschungen hilft Sentryc auch beim Schutz vor Markenmissbrauch und Urheberrechtsverletzungen auf diesen Plattformen
Software dokumentiert alle relevanten Daten für eventuelle Strafverfolgung
Dank der Berliner können sich Unternehmen mit nur einem Klick gegen unrechtmäßige Angebote. Sie entscheiden mit dem “Take Down”-Button eigenhändig, welche potentiellen Fälschungen oder Verletzungen sie entfernen wollen.
Im Optimalfall verschwinden die Angebote innerhalb von 24 Stunden und richten keinen weiteren Schaden an. Auch spezielle Automatisierungsregeln oder Features wie Blacklist und Whitelist helfen jederzeit den Überblick zu behalten: kuriose Händler werden dauerhaft verbannt, lizenzierte Händler geraten über die Whitelist erst gar nicht ins Visier.
Regelmäßige Reportings sowie stets aktuelle Zahlen und Quellen auf dem Dashboard veranschaulichen Erfolge und Verläufe. Für eine eventuelle Strafverfolgung dokumentiert die Software alle relevanten Daten inklusive Screenshots der verdächtigen Angebote.
Namhafte Firmen nutzen die Services von Sentryc
Die Sentryc GmbH wurde 2019 mit Hauptsitz in Berlin gegründet und hat Standorte in Barcelona und Stettin. Das aktuell 25-köpfige Team um Geschäftsführerin Nicole Jasmin Hofmann bietet Unternehmen mit seiner eigenentwickelten Markenschutz-Software eine digitale Lösung, mit der sich Produktpiraterie und Markenmissbrauch auf Online-Marktplätzen aufdecken und stoppen lässt.
Stand: 08.12.2025
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Dafür stellen die Online-Experten ihren Kunden eine Cloud-Lösung zur Seite, das Internetseiten nach Produkten durchsucht, potenzielle Fälschungen identifiziert, dokumentiert und sie dann automatisiert zur Löschung melden kann. Namhafte Unternehmen wie Junghans, Fischerwerke oder auch die IHK Solingen vertrauen auf den Produktschutz des Berliner Startups. Den Datenschutz priorisierend hostet das Unternehmen in Deutschland und arbeitet DSGVO-konform.