Mehr Flexibilität in der Produktion soll der neue TracePen von Wandelbots bringen. Mit dem drahtlosen Device lasen sich Roboter ohne Programmierkenntnisse "anlernen"., Eine App übersetzt die Bewegungen des TracePen in Programmcode.
Vorführen statt Roboter programmieren – mit dem TracePen von Wandelbots
(Bild: Wandelbots)
You press the button, we do the rest: Mit diesem griffigen Werbeslogan machte einst der amerikanische Kodak-Konzern die Fotografie zum Massenhobby. Denn um die mühsame Entwicklung der Filme kümmerte sich das Unternehmen aus Rochester.
Möglichst einfach machen - das ist auch in der Softwareentwicklung (Stichwort Low Code) und der Industrieautomation Trend. So will das Dresdner Unternehmen Wandelbots mit seinem neuen TracePen ermögliche, Robotern ihre Aufgaben völlig unkompliziert und ganz ohne Programmierkenntnisse zuzuweisen. Nachdem bereits namhafte Großunternehmen die Wandelbots-Technologie bereits im Einsatz haben, soll der TracePen jetzt auch dem Mittelstand den Einstieg in die Roboterautomation erleichtern.
„Wir sind sehr stolz darauf, denn der TracePen ist das erste in größeren Stückzahlen verfügbare Produkt von Wandelbots“, sagt CEO Christian Piechnick. „Wir haben hart dafür gearbeitet. Dabei war es unser Anspruch, den Kunden nicht nur Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Haltbarkeit zu bieten, sondern vor allem auch Benutzerfreundlichkeit.“
Anlernen statt aufwendig programmieren
Bisher war das Programmieren von Robotern Expertensache – unflexibel, kostenintensiv und langwierig. Fast 75 Prozent der Kosten für den Einsatz eines Roboters entfielen auf Anpassung oder Neuprogrammierung der Software, um den Roboter einen neuen oder veränderten Prozessschritt ausführen zu lassen.
„Der Zugang zu Automatisierung von Prozessen durch Roboter war dadurch vor allem großen Unternehmen vorbehalten“, erläutert Christian Piechnick. „Mit der Einführung des TracePen ist das Vergangenheit.“ Auch Unternehmen, die kleine Losgrößen produzieren oder aus anderen Gründen Produktionsprozesse häufig verändern, eröffnet Wandelbots damit neue Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung.
App übersetzt Bewegungen des TracePen in Programmcode
Denn mit dem TracePen können selbst Laien Roboter für eine Tätigkeit anlernen. Dazu führt der Bediener mit dem drahtlosen TracePen in seiner Hand den zu erlernenden Weg („Pfad“) dem Roboter ganz einfach direkt am Werkstück vor. Diese Bewegung wird durch die Software von Wandelbots nahezu zeitgleich in der zum Produkt gehörigen App visualisiert. Der Nutzer kann den Pfad dann am iPad intuitiv und im Submillimeterbereich weiter verfeinern.
Dabei kann applikationsspezifisch definiert werden, ob sich der Roboter von Punkt zu Punkt, linear oder kreisförmig zwischen den festgelegten Punkten bewegen soll. Durch eine integrierte Gelenksteuerung kann der Anwender die einzelnen Robotergelenke direkt beeinflussen. Er kann zudem einen spezifischen Sicherheitsbereich festlegen, in dem es dem Roboter erlaubt ist, zu agieren.
Entspricht der Pfad den Anforderungen an den Prozessschritt, überträgt der Bediener der App diesen an den Roboter. Die Software von Wandelbots übersetzt dazu den Pfad in die jeweilige roboterspezifische Programmiersprache. Wenige Sekunden später kann der Roboter damit beginnen, die neu „erlernten“ Bewegungen am zu bearbeitenden Werkstück präzise auszuführen.
Software von Wandelbots funktioniert herstellerunabhängig
Besonderer Clou: Der erlernte Prozessschritt kann einfach auf weitere Roboter anderer Hersteller übertragen werden. Diese Möglichkeit gab es in der Automatisierungswelt bisher nicht, setzt doch jeder Roboterhersteller auf seine eigene proprietäre Programmiersprache. Die App von Wandelbots tritt nun an die Stelle der Programmierexperten. Das lohnt sich nicht nur für Industriekonzerne, sondern auch für kleine und mittelständische Unternehmen, denen es zukünftig den Einsatz von Robotern ermöglichen soll.
So hat Wandelbots kürzlich gemeinsam mit dem 5G Lab der TU Dresden den Einsatz von Industrie-4.0-Technologien in einigen kleinen und mittelständischen Unternehmen erfolgreich erprobt. „Die Beispiele zeigen: Robotik und Automatisierung sind jetzt auch für Kleinunternehmen und Mittelständler ein relevantes Thema. Der TracePen senkt die Investitionskosten deutlich und macht es so auch für Unternehmen dieser Größe erstmalig richtig attraktiv, sich mit Robotik zu beschäftigen. Damit eröffnen sich neue Märkte.“, sagt Piechnick. TracePen beschleunigt Veränderungen und senkt zugleich die Kosten drastisch
Stand: 08.12.2025
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Besondere Stärken bei bahngeführten Anwendungen
Einsatzmöglichkeiten für den TracePen sieht Wandelbots vor allem für bahngeführte Applikationen wie Schweißen, Entgraten, Kleben oder Sprühen. In ersten Pilotprojekten mit namhaften Automobilherstellern konnte das Unternehmen bereits unter Beweis stellen, dass der Wechsel zu einem neuen Prozessschritt unter Verwendung des TracePens 70 mal schneller gelingt als mit herkömmlicher Programmierung – und dies bei einer Kostenreduktion um bis zu 90 Prozent. Durch diese erhebliche Effizienzsteigerung wird der Einsatz von Robotern auch für Industrien, Unternehmen und Unternehmensgrößen sinnvoll, die bisher die hohen laufenden Kosten gescheut haben.
Die Produkteinführung begleitet Wandelbots mit einer Serie von Webinaren zu den ursprünglichen Terminen der Messe „automatica“ (17. bis 20. Juni 2020). Aufgrund der Corona-bedingten Verschiebung der Messe erfolgt die Vorführung dieser revolutionären Technologie nun digital; Interessenten können sich auf der Website von Wandelbots für eines der Webinare registrieren. Demonstriert werden eine Klebeapplikation mit einem Roboter des Herstellers Universal Robots sowie ein Entgratvorgang mit einem Roboter von ABB.
Die Zielgruppe für den TracePen reicht vom Hersteller bis zum Anwender von Robotern. Besonderes Augenmerk richtet Wandelbots dabei auf die Systemintegratoren; diesen Technologiepartnern bietet das Unternehmen verstärkten Support an, um gemeinsamen Endkunden die bestmögliche Lösung zugänglich zu machen. Die Auslieferung des TracePens soll im August 2020 beginnen. Die Nachfrage ist groß, berichtet Christian Piechnick: „Erste Kunden haben bereits Verträge unterschrieben.“
Industriepartner von Wandelbots sind interessiert
„Die Lösungen von Wandelbots bieten der Industrie, insbesondere der Automatisierung durch Robotik, einen enormen Boost bei der Realisierung. Ein Anlagenführer kann mittels intuitiver Bedienung ohne besondere Programmierkenntnisse seine Robotik-Applikation auf veränderte Anforderungen anpassen und damit höchst flexibel, agil und kostenschonend umsetzen. Das ist vergleichbar mit dem „Microsoft Windows“ für Personal Computer.
Gängige Programmiersprachen für Roboter
(Bild: Wikipedia)
Aus diesem Grund unterstützt Volkswagen die Entwicklung von Wandelbots und arbeitet bereits seit März 2018 in unterschiedlichen Projekten zusammen. Das jüngste Projekt einer automatisierten und flexiblen visuellen Inspektion von Bauzuständen beweist das Potenzial der Wandelbots Technologie“, sagt Marco Weiß, Head of New Mobility & Innovations at DIE GLÄSERNE MANUFAKTUR - Volkswagens "Center for Future Mobility".
Carsten Busch, Product Manager Cobots bei DENSO Robotics Europe ergänzt: „Die revolutionäre Lösung von Wandelbots bietet uns bisher nicht dagewesene Chancen, neue Märkte und neue Applikationen zu erschließen. Wir freuen uns über die enge Kooperation!“
Wandelbots ist eine Ausgründung aus der Technischen Universität Dresden. Gegründet hat das Unternehmen Christian Piechnick zusammen mit fünf Doktoranden der TU Dresden 2017. Das Unternehmen beschäftigt ein internationales Team von über 70 Experten am Hauptsitz Dresden.