Design im Zeitalter des Fast-Alles Wenn mit KI alles möglich ist – was bleibt dann relevant?

Quelle: Pressemitteilung BMW Group Designworks 5 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Im Produktdesign werden neue Tools wie KI, digitale Zwillinge oder Echtzeit-Visualisierung intensiv genutzt. Doch was macht das mit der Arbeit der Designer? Lennart Baramsky von BMW Group Designworks gibt Einblicke, wie sich Prozesse ändern, die gestalterischer Identität aber erhalten bleibt.

Lennart Baramsky, Designer bei BMW Group Designworks, zeigt, dass Design heute in vernetzten Systemen entsteht – nicht mehr in der klassischen Reihenfolge von Idee, Skizze und Ausarbeitung.(Bild:  Designworks München)
Lennart Baramsky, Designer bei BMW Group Designworks, zeigt, dass Design heute in vernetzten Systemen entsteht – nicht mehr in der klassischen Reihenfolge von Idee, Skizze und Ausarbeitung.
(Bild: Designworks München)

Fast alles ist möglich. Design ist an einem Punkt angekommen, an dem Künstliche Intelligenz, Echtzeit-Visualisierung und dreidimensionale Prozesse längst den Maßstab setzen. Wo früher Skizzen entstanden und Renderings den nächsten Schritt markierten, wird Design heute direkt im Raum gedacht. Produkte werden als digitale Zwillinge entwickelt, getestet und erlebt, bevor sie gebaut werden. Materialien, Proportionen und Atmosphären lassen sich simulieren, vergleichen und weiterentwickeln. Was früher Vorstellungskraft erforderte, ist heute sichtbar. Was einst Zeit kostete, ist Teil eines immer schneller werdenden Prozesses. Auch der visuelle Anspruch hat sich signifikant erhöht: Was früher als außergewöhnlich galt, definiert heute die Grundlage. Dabei werden hohe Präzision, schnelle Iteration und differenzierte Ausarbeitung vorausgesetzt.

Die Herausforderung liegt heute darin, Machbarkeit nicht mit Relevanz zu verwechseln, sondern Gestaltung als gezielten Hebel für systematischen Mehrwert zu begreifen. Genau an diesem Punkt setzt das Innovationsstudio BMW Group Designworks, eine unabhängige Tochter der BMW Group, an. Dort wird tagtäglich erlebbar, wie künstliche Intelligenz Design heute prägt, wie sich die Arbeit von Designern verschiebt – und welche neuen Formen von Verantwortung, Haltung und Entscheidung damit einhergehen.

10 Impulse für die Design-Arbeit mit KI

Die persönliche Insights von Lennart Baramsky:

  • 1. Gute AI, böse AI: Hinterfrage ehrlich die eigene Haltung.
  • 2. Let loose! Gestalte Deine eigene Gratwanderung zwischen Kontrolle und Kontrollabgabe. Dabei eröffnet sich ein riesiger Raum für Unerwartetes. Vermeintliche Fehler der KI können zu Deinem nächsten Geistesblitz führen. Also feiere das Unerwartete!
  • 3. Designweisheit reloaded: Weniger ist mehr! Du fragst Dich, wie Du Deine eigene Qualität erkennen kannst? Qualität hat nicht der, der Masse kann, sondern der, der Relevanz versteht.
  • 4. Die Guten ins Kröpfchen…: Deine kreative Leistung liegt in der Auswahl. Sowohl in dem, was weitergeführt wird als auch in dem, was bewusst verworfen wird. Die neue Währung beim Gestalten mit KI heißt „entscheiden und filtern“.
  • 5. Wer fragt, der führt. Beim „Dialog mit der KI“ gelten die Spielregeln der Gesprächsführung: Du führst, weil Du Rahmen und Richtung definierst, weil Du Dich nicht von Deinen Emotionen wegtragen lässt und weil Du es bist, der die Fragen stellt.
  • 6. Vom Follower zum Leader. Social Media ist voller Insiderwissen und versteckter Angebote: Gut recherchieren, hinschauen, in eigenes Wissen einstricken und Expertise (in Ruhe) aufbauen!
  • 7. Flex Beats Fixation. Ändere Deine Denkstrukturen! Such nicht das eine Tool. Wichtiger als die Fixierung auf die beste Lösung ist es, Prinzipien zu verstehen.
  • 8. From uncomfort zone to growth zone: Stell Dich drauf ein: Es wird unbequem, bevor es bequem wird! Trial, Error und auch scheitern sind Teil des Spiels.
  • 9. Bei aller Liebe zur Gestaltung: Sieh zu, dass Du Deine Fähigkeit, Prozesse neu zu denken, trainierst!
  • 10. Jam it! Bei Designworks machen wir im Team regelmäßige Jam Sessions, um locker und frei in einen gemeinsamen Dialog und ins Lernen zu kommen.

Designarbeit verschiebt sich: vom „Machen“ zum „Orchestrieren“

Die klassische Vorstellung von Design als Abfolge festgelegter Schritte – Idee, Skizze, Ausarbeitung – greift immer seltener. Stattdessen entsteht Design heute in vernetzten Systemen: aus der Verkettung von Tools, aus parallelen Prozessen, aus bewussten Entscheidungen entlang eines strategisch orchestrierten Workflows. Nicht nur das Ergebnis steht im Mittelpunkt, sondern auch der Prozess, der dorthin führt.

In Zukunft ist genau das die Leistung des Designers: die richtigen Tools für seinen Nutzen so miteinander zu verknüpfen, dass am Ende das beste Ergebnis herauskommt.

Lennart Baramsky

Lennart Baramsky, Designer bei BMW Group Designworks, hat die klassischen Disziplingrenzen von Produkt- und UX-Design in seiner Arbeit längst hinter sich gelassen. Er beschreibt diese Verschiebung als zentrale Kompetenz der kommenden Jahre: „In Zukunft ist genau das die Leistung des Designers: die richtigen Tools für seinen Nutzen so miteinander zu verknüpfen, dass am Ende das beste Ergebnis herauskommt.“ KI wird dabei nicht als All-in-one-Lösung verstanden, sondern als Teil eines Systems. Ein KI-Modell erzeugt erste visuelle Ansätze, ein anderes verfeinert sie, ein drittes hebt Qualität und Detailtiefe weiter an. Gestaltung entsteht in der Abfolge – und in den Entscheidungen dazwischen.

Damit verändert sich auch das Anforderungsprofil des Berufs: Wer gestaltet, muss Prozesse neu denken, ideale Abläufe erkennen, Zusammenhänge steuern. Technisches Verständnis, 3D-Kompetenz und die Fähigkeit, digitale Werkzeuge sinnvoll zu kombinieren, werden zur Grundlage gestalterischer Arbeit. „Allein die Auswahl der Tools ist heute fast schon eine künstlerische Leistung für sich”, sagt Baramsky. Gestaltung verlagert sich von der Oberfläche in die Struktur. Oder, wie er es selbst ausdrückt: „Oft fühle ich mich bei meiner Arbeit eher wie ein Art Creative Director, der entscheidet, in welche Richtung die KI gesteuert werden soll.“

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Der Aha-Moment liegt genau hier: Design verliert nicht an Bedeutung – es gewinnt sogar an Verantwortung. Die Qualität guter Designer lag dabei schon immer in der Fähigkeit, Komplexität zu reduzieren und Relevanz sichtbar zu machen. Je mehr heute mit KI möglich ist, desto entscheidender ist, wie Möglichkeiten geordnet, gefiltert und zusammengeführt werden.

KI als Sparringspartner im Design- und Entscheidungsprozess

Die Arbeit mit KI ist eine Gratwanderung. Zwischen klarer Steuerung und bewusstem Raum für Unerwartetes. Designer geben die Richtung, die Stimmung und den Rahmen vor – und reagieren auf das, was zurückkommt. „Es geht häufig darum, eine Balance zu finden zwischen: Ich habe Kontrolle – und ich gebe die Kontrolle ab“, so Baramsky. Abweichungen oder vermeintliche Fehler werden dabei nicht als Bug verstanden, sondern als Impuls. Als Ausgangspunkt für neue Gedanken.

Baramsky erklärt: „Dieser Prozess beschreibt eine Art Dialog, den man führt mit der KI.“ Die kreative Leistung liegt dabei nicht im ersten Ergebnis, sondern in der Auswahl. In dem, was weitergeführt wird – und in dem, was bewusst verworfen wird. Dabei verschwindet Kreativität nicht, sie verlagert sich. Weg vom reinen Erzeugen, hin zum bewussten Auswählen, Kombinieren und Weiterdenken. Oder, wie Baramsky es zusammenfasst: „Kreativität ist für mich eine Kombination: eine Entscheidung aus Elementen, die man neu konfiguriert und zusammenbringt.“

Wie gestalterische Identität trotz KI sichtbar bleibt

Diese Entscheidung berührt auch die Frage nach gestalterischer Identität. Wer sich für den Designberuf entschieden hat, tut das aus dem Wunsch heraus, selbst zu kreieren. Die Sorge, einen Teil dieser Identität abzugeben, ist berechtigt. Gleichzeitig zeigt die Praxis ein anderes Bild. „In meinem Fall beflügelt das eher die Kreativität“, so Baramsky. KI eröffnet neue Kombinationsräume, beschleunigt Iterationen, ohne die finale gestalterische Verantwortung zu verschieben.

Für Lennart Baramsky ist gestalterische Identität etwas, das sich erst über Zeit formt: „Es ist nicht nur das eine Bild – es ist eine Masse an Entscheidungen.“ Erst im Zusammenspiel vieler Arbeiten wird erkennbar, was eine Handschrift ausmacht: Welche Stimmungen dominieren. Welche Lösungen bevorzugt werden. Welche Varianten konsequent aussortiert bleiben. „So versteht man erst ab einer gewissen Menge an Bildern die gestalterische Handschrift.“

Gestaltung wird damit weniger zur Frage des einzelnen Outputs und mehr zur Frage der strukturellen Konsequenz im Prozess. Wer kuratiert, entwickelt eine Sprache. Wer Entscheidungen wiederholt trifft, formt Identität. Und genau darin bleibt Design unterscheidbar – auch, und gerade, im Arbeiten mit KI.

(ID:50812617)