StandardisierungPlattform Industrie 4.0 erreicht Meilensteine
Von
Jürgen Schreier
4 min Lesedauer
Die Plattform Industrie 4.0 hat nach eigenem Bekunden Meilensteine bei der Standardisierung und internationalen Kooperationen erreicht. Für 2018 stehen die Themen Datenökonomie, Organisation und Qualifikation auf der Agenda.
Die Plattform Industrie 4.0 ist das zentrale Netzwerk in Deutschland, um die digitale Transformation in der Produktion voranzubringen. Im Schulterschluss zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Gewerkschaften und Verbänden wirken über 300 Akteure aus mehr als 150 Organisationen aktiv in der Plattform mit.
(Bild: Plattform Industrie 4.0)
Meilensteine auf dem Weg zur Interoperabilität, Fortschritte bei globalen IT-Sicherheits-Ansätzen, Einschätzungen zu Kartell- und AGB-Recht, Praxistransfer in verschiedene Anwendungsfelder sowie enge Kooperationen mit Partnern aus China, Europa und den USA: Die Plattform Industrie 4.0 und ihre Partner haben in den letzten zwölf Monaten belastbare Ergebnisse erzielt. Für 2018 setzt die Plattform die Themen Datenökonomie, Organisation und Qualifikation auf die Agenda.
Unternehmen sollen künftig selbst Verwaltungsschalen entwickeln können
Merkmale, Messwerte, Fähigkeiten – die sogenannte Verwaltungsschale (VWS) enthält alle Informationen einer Maschine und ist ihre digitale „Schnittstelle“. Sie sichert die reibungslose Einbindung eines Geräts in die Industrie 4.0-Welt – über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg. Expertinnen und Experten der Plattform Industrie 4.0 haben die Verwaltungsschale definiert und bringen sie nun in die Praxis. Damit ist eine wichtige Grundlage für die Interoperabilität in digitalen Ökosystemen geschaffen.
Auf der Hannover Messe 2018 zeigte die Plattform vier Exponate mit konkreten Umsetzungsprojekten der Verwaltungsschale für verschiedene Anwendungsfelder. Zudem wurde das Konzept einer Sprache vorgestellt, mit deren Hilfe Maschinen zukünftig interagieren können. Im Sommer 2018 werden weitere Details zur Verwaltungsschale veröffentlicht. Unternehmen sollen künftig selbst Verwaltungsschalen für ihre Komponenten entwickeln und implementieren können.
Internationale Kooperationen als globale Grundlage für Industrie 4.0
Die Plattform Industrie 4.0 hat ihre Konzepte außerdem in internationale Kooperationen eingebracht und fortentwickelt. Greifbare Fortschritte konnten in der Zusammenarbeit mit China und in der trilateralen Kooperation mit Frankreich und Italien erzielt werden. Nationale Standardisierungsansätze wurden harmonisiert und die Konzepte der Plattform (RAMI 4.0 und Verwaltungsschale) als tragende Elemente der internationalen Normierung platziert. Die Zusammenarbeit mit den USA, unter anderem mit dem IIC, steht weiterhin ganz oben auf der Agenda. Konkrete Aktivitäten mit den Partnern aus den USA sind auf der IMTS/Hannover Messe vom 10. bis 15. September 2018 in Chicago vorgesehen. Gemeinsam mit Japan setzt sich die Plattform für internationale Zusammenarbeit im Bereich IT-Security ein.
IT-Sicherheit ist der „Enabler“ für Industrie 4.0-Ökosysteme. Am 14. und 15. Mai 2018 fand die internationalen Konferenz „Securing Global Industrial Value Networks“ des Bundeswirtschaftsministerium und der Plattform Industrie 4.0 statt. Dort stellte die Plattform ihre Konzepte zur Diskussion - mit dem Ziel, einen internationalen Prozess zur Harmonisierung von IT-Security-Konzepten bis hin zu Standardisierungserfordernissen einzuleiten. Input der Plattform sind die Konzepte zur Integrität von Daten, Vertrauenswürdigkeit und sicheren Kommunikation. Die Plattform hält es insgesamt für erforderlich, IT-Security als Qualitätsmerkmal zu verankern – in Standards, Unternehmen und Aus- und Weiterbildung.
Datenökonomie und Recht im Fokus
Die Plattform Industrie 4.0 hat jüngst die Arbeitsgruppe „Digitale Geschäftsmodelle in der Industrie 4.0“ gegründet und damit ihr Spektrum um ein zentrales Thema der Digitalisierung erweitert. Die Leitung übernimmt Prof. Dr. Svenja Falk, Managing Director bei Accenture. Die Arbeitsgruppe wird zentrale Wirkprinzipien der Daten- und Plattformökonomie untersuchen und an Use Cases veranschaulichen.
Geschäftsmodelle stehen im engen Kontext zu Plattformen und intelligenter Nutzung von Daten. Mit den rechtlichen Themen befassen sich in der Plattform Rechtsexpertinnen und -experten. Aktuell haben sie kartellrechtliche Fragestellungen untersucht und Handlungsempfehlungen veröffentlicht. Für die neue Legislaturperiode hält die Plattform es für dringend erforderlich, das AGB-Recht zu flexibilisieren. In einer digitalen Welt führt das deutsche AGB-Recht im B2B-Bereich im internationalen Wettbewerb zu Nachteilen.
Die Plattform Industrie 4.0 sieht die dringende Notwendigkeit, Kompetenzen von Beschäftigten und Arbeitsorganisation in Unternehmen zu erneuern. In diesem Zusammenhang sieht sie den Menschen im Mittelpunkt der digitalen Wirtschaft. Eines der nächsten Themen, die nach Einschätzung der Plattform gesellschaftlich vorangetrieben werden müssen, ist die Zukunft der akademischen Ausbildung insbesondere im Ingenieurbereich.
Industrie-4.0-Erfolg hängt vom Transfer in den Mittelstand ab
Der Erfolg der digitalen Transformation hängt maßgeblich am Mittelstand, der sich praxisrelevante Unterstützung wünscht. Die Plattform ist Teil des Transfer-Netzwerks Industrie 4.0. Weitere Partner sind Bundesregierung, Länder, Kammern, Verbände, die alle mit zahlreichen Aktivitäten und Maßnahmen den Mittelstand unterstützen. Ziel ist es, durch das Transfer-Netzwerk Synergien zu nutzen. Die Geschäftsstelle der Plattform Industrie 4.0 ist vom Bundeswirtschaftsministerium zur organisatorischen Unterstützung beauftragt worden und dient als Ansprechpartner. Die Netzwerk-Partner werden nun gemeinsam Projekte angehen und das Know-how der Industrie 4.0 für Unternehmen verständlich aufbereiten.
Stand: 08.12.2025
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