Start-up poligyNeuartiger Kunststoff wandelt Abwärme in Strom
Von
Jürgen Schreier
3 min Lesedauer
Günstiger Strom aus Abwärme: Diesem Ziel hat sich das Düsseldorfer Start-up poligy verschrieben. Der Kniff dabei ist ein neuartiger Kunststoff namens Bipolymer, der industrielle Abwärme oder die Abwärme von Rechenzentren profitabel in Strom umwandelt. Auch als preiswerte "Solarzelle" auf dem Hausdach kann Bipolymer fungieren.
CEO Artur Steffen (links) und Erfinder und CEO Martin Huber (rechts)
(Bild: poligy)
Um den Klimawandel schneller bekämpfen zu können, muss "grüne Energie" für Verbraucher und Industrie deutlich günstiger werden. Die Lösung liefert nun der Wirtschaftschemiker Martin Huber mit einem neu entwickelten Kunststoff namens Bipolymer. Dieses Material kann die Umwandlung von Sonnen- und Industriewärme in Strom revolutionieren, sind Experten überzeugt. Um seine Technologie zur Marktreife zu bringen, hat sich Huber mit dem Unternehmer Artur Steffen zusammengetan und das Start-up poligy gegründet.
Bipolymer-Modul zur Umwandlung von Abwärme in Strom von poligy
(Bild: poligy)
Günstiger Strom aus industrieller Abwärme und Sonnenwärme
Bipolymere wandeln Wärme preisgünstig in Strom um, sowohl die Sonnenwärme auf Hausdächern als auch die Abwärme von Kraftwerken, Fabrikanlagen oder Rechenzentren. Laut Bundesumweltamt bleiben rund 45 Prozent der industriellen Abwärme, die bei Produktionsprozessen anfällt, bisher ungenutzt. Mithilfe der Bipolymere könnten diese 45 Prozent profitabel in Strom umgewandelt werden.
Doch wie funktioniert das in der Praxis? Die Bipolymere sind zweilagige Kunststoffstreifen, die von dem Wirtschaftschemiker Martin Huber erfunden wurden. Sie bilden bei Wärmekraftmaschinen und Solarmodulen ein Rad oder Band. Durch Temperatureinflüsse verformen sich die Kunststoffstreifen, das Rad bzw. das Band kommt in Schwung und erzeugt mittels eines Generators Strom.
„Bisher gibt es keine so preisgünstige Technologie, die bei Temperaturen von 50 °C bis 200 °C aus Abwärme grünen Strom produzieren kann. Zudem lassen sich die Wärmekraftmaschinen und die Bipolymere in großen Mengen und preiswert herstellen“, erklärt Huber. Die Produktionsanlagen sind bereits vorhanden; außerdem muss für die Herstellung kaum Energie aufgewandt werden.
Forschungsziel: Sonnenenergie unter 10 Cent/kWh
So sollen die Anschaffungskosten einer Bipolymer-Wärmekraftmaschine künftig niedriger liegen als bei von Photovoltaik-Anlagen. Dazu forschen Huber und sein Team daran, dass die Bipolymer-Module in einem Strom, Warmwasser sowie Wärme produzieren und die produzierte Energie speichern können. Bei Photovoltaikanlagen müssen Verbraucher dazu oft teure Zusatzsysteme wie spezielle Energiespeicher und Solarthermen zur Trinkwassererwärmung kaufen.
Wie Huber weiter erklärt, könne man die Bipolymere günstiger recyceln als Solarzellen, da die Bipolymer-Systeme im Gegensatz zu Photovoltaik-Anlagen keine Spuren giftiger Schwermetalle enthalten. Huber: "Auch das schont die Umwelt.“
Nach Angaben der Deutschen Energie-Agentur könnte die Wirtschaft alleine in Deutschland durch die Vermeidung und Nutzung der industriellen Abwärme jährlich rund 37 Mio. t klimaschädliches CO2 sowie 5 Mrd. Euro einsparen und ein Potenzial von 125 Terawattstunden Wärme erschließen.
Laut einer Studie von Global Market Insights von Anfang 2019 wird der Umsatz am weltweiten Abwärmemarkt von 40 Mrd. Dollar im Jahr 2018 auf mehr als 80 Mrd. Dollar Umsatz im Jahr 2025 wachsen. Für Deutschland rechnen die Marktforscher im Jahr 2025 mit einem Marktumsatz von 5 Mrd. Dollar (Link zur Studie).
Bipolymere können Energieerzeugung revolutionieren
Das Pariser Klimaabkommen von 2015 sieht vor, die globale Erderwärmung bis zum Jahr 2100 im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf deutlich unter 2 °C zu reduzieren. Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, müssen nach Berechnungen der angesehen amerikanischen Fachzeitschrift Science die weltweiten Emissionen bis zum Jahr 2050 schrittweise auf 5 Mrd. t fallen Zum Vergleich: Nach Angaben des Umweltbundesamtes betrug der CO2-Ausstoß in Deutschland im Jahr 2018 insgesamt 865,6 Mio. t. Weltweit beliefen sich die CO2-Emissionen im Jahr 2018 auf 33,1 Mrd. t.
Poligy gewann mit seiner Erfindung unter anderem den „Future Materials“ des Handelsblatts. Im Rahmen der StartupCon 2018, Deutschlands größter Gründermesse, erhielt das Düsseldorfer Unternehmen den international ausgerichteten Chem Startup Award in der Kategorie „New Materials“. Darüber hinaus wurde poligy als eines der weltweit wichtigsten Energie-Startups in die Top 100 Liste von „Start Up Energy Transition (SET)“ aufgenommen.
Ab 1. Juli 2019: F&E-Finanzierung mit Security Tokens
Ab dem 1. Juli 2019 gibt poligy digitale Wertpapiere auf Basis der Blockchain-Technologie aus, um die Weiterentwicklung der Bipolymer-Systeme zur Marktreife finanzieren zu können. In die digitalen Wertpapiere, oder auch Security Tokens genannt, können qualifizierte Investoren und insbesondere Partner aus der Industrie – wie Energieerzeuger und Tech-Konzerne – investieren. Die technische und rechtliche Infrastruktur für die Ausgabe der digitalen Wertpapiere liefert das FinTech-Startup Cashlink. Die Ausgabe der digitalen Wertpapiere ist ein Pilotprojekt mit STARTPLATZ, dem größten Startup Accelerator in NRW, zu dessen Alumni auch poligy gehört.
Stand: 08.12.2025
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