StudieDigitalisierung: Deutsche zweifeln an Kompetenz der Bundesregierung
Von
Lisa Marie Waschbusch
3 min Lesedauer
Mäßiger Wille, wenig Fähigkeiten: Geht es nach einer Studie des Vodafone Instituts, sehen nur knapp 40 Prozent der Bürger hierzulande die Bundesregierung befähigt, die Digitalisierung voranzubringen. Auch in Sachen Datenschutz ist Luft nach oben.
Die Digitalisierung schreitet voran - Unternehmen und Staaten stehen vor der Herausforderung mitzuhalten.
Hierzulande finden gerade einmal 44 Prozent der Bürger, dass die Bundesregierung die Digitalisierung vorantreibt; nur 37 Prozent der Deutschen räumen der Regierung überhaupt entsprechende Fähigkeiten dazu ein. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „The Tech Divide – die unterschiedliche Wahrnehmung der Digitalisierung in Europa, Asien und den USA“ des Vodafone Instituts für Kommunikation und Gesellschaft, bei der das Meinungsforschungsinstitut Ipsos 9.000 Menschen in neun Ländern befragt hat.
Auch in Sachen Datenschutz sehen die Deutschen bei der Bundesregierung Handlungsbedarf: Nur 27 Prozent der Befragten hierzulande finden, dass die Regierung die eigenen Daten schützt. Im Falle einer Datenschutzverletzung erwarten nur 33 Prozent der Bundesbürger Unterstützung vom Staat.
„Die Bundesbürger sehen die Chancen, aber auch die Herausforderungen der Digitalisierung für Deutschland. Dementsprechend hoch sind die Erwartungshaltungen an die Bundesregierung, in die Zukunft zu investieren und die Spielregeln für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft zu definieren“, so Inger Paus, Geschäftsführerin des Vodafone Instituts.
Europa insgesamt skeptisch
Mit den Werten liegt Europa insgesamt hinter den USA oder Indien: In Indien glauben 82 Prozent der Befragten, ihre Regierung habe den Willen, und 75 Prozent glauben, sie habe sogar das entsprechende Know-how, die Digitalisierung voranzubringen. In den USA sehen immerhin 57 Prozent der Befragten bei der Regierung den Willen, 59 Prozent räumen ihr entsprechende Fähigkeiten ein. Besonders negativ schätzen die Menschen in Schweden (14 Prozent) und Bulgarien (24 Prozent) die Fähigkeiten ihrer Regierungen bezüglich der Digitalisierung ein.
Als Grund für die niedrigen Werte in Europa nennt die Studie negative Entwicklungen in den vergangenen Jahren. So seien IT-Spezialisten nur schwer für die Arbeit in politischen Institutionen zu gewinnen, Top-Down-Digitalisierungsinitiativen ins Leere gelaufen, oder Prozesse schlichtweg zu langsam und nicht mit der Digitalisierung kompatibel.
Maßnahme: Strategie für den Einsatz neuer Technologien
In allen untersuchten Ländern (ausgenommen Schweden) finden die Befragten, der Staat müsse eine Strategie für den Einsatz neuer Technologien vorlegen und jährlich aktualisieren. Unter den verschiedenen Ländern ist man sich sicher, dass der Staat im öffentlichen Sektor Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen rekrutieren sollte – in Deutschland findet sich diese Maßnahme an dritter Stelle (32 Prozent), hinter der Gründung einer unabhängigen Expertenkommission (33 Prozent).
In China sind fast 70 Prozent der Bürger der Meinung, dass Staat und Wirtschaft miteinander kooperieren sollten, in Deutschland bestätigen dies 57 Prozent und in den USA 55 Prozent. Dass die Digitalisierung dazu führe, dass sich die Macht auf wenige globale Tech-Firmen konzentriert, finden in Indien 69 Prozent, in Deutschland 65 Prozent und in den USA 59 Prozent; den niedrigsten Wert verzeichnet Italien mit 50 Prozent Zustimmung.
Was die Menschen von der Regierung erwarten
Zusätzlich zur Stärkung seiner eigenen digitalen Kompetenzen kann der Staat auch Unternehmen und Bürger dabei unterstützen, im digitalen Zeitalter mithalten zu können. 44 Prozent der Befragten hierzulande wünschen sich hierfür umfangreiche Investitionen im Bereich Digitalisierung und Bildung, gefolgt von Investitionen im Bereich Digitalisierung und Infrastruktur (41 Prozent). Die Förderung von KMUs oder Branchen, die rückständig in Bezug auf den technologischen Wandel sind, findet sich unter den Deutschen an dritter Stelle.
Anders sieht das in den USA aus: Hier wünschen sich 37 Prozent mehr Förderung von KMUs oder in der Digitalisierung rückständigen Branchen, gefolgt von dem Wunsch, der Staat würde sich um die Entwicklung von Konzepten zur individuellen Existenzsicherung (zum Beispiel das bedingungslose Grundeinkommen oder die Einführung einer Sozialsteuer auf neue Technologien zur Finanzierung wohlfahrtsstaatlicher Leistungen) kümmern.
Maßnahmen zur individuellen Förderung im digitalen Bereich, wie beispielsweise das Recht auf Freistellung zur beruflichen Weiterbildung, spielen im internationalen Vergleich kaum eine Rolle: In Deutschland, Spanien, Schweden und Großbritannien haben die Befragten diesbezüglich keine Erwartungen an den Staat, in Bulgarien hätten immerhin 34 Prozent der Befragten gerne entsprechende Reglementierungen durch den Staat.
Über die Studie
„The Tech Divide: Politik” ist der dritte Teil der Technologieakzeptanz-Studien. Die beiden ersten Teile „Menschen und Gesellschaft“ und „Industrie und Arbeit“ sind in den vergangenen Monaten bereits erschienen. Der Hintergrund der Studien ist die wahrgenommene Diskrepanz zwischen Europa und den USA bzw. China bei der Akzeptanz neuer Technologien.
Stand: 08.12.2025
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