Digitale Transformation Deutschlands Abhängigkeit von Digitalimporten wächst

Quelle: Bitkom 3 min Lesedauer

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Eine große Mehrheit der Unternehmen in Deutschland sieht sich abhängig vom Import digitaler Technologien und Leistungen aus dem Ausland. Wie wenig ohne sie ginge, geht aus einer aktuellen Untersuchung des Bitkom hervor.

Laut Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst müsse und könne Deutschland Kernkompetenzen in digitalen Schlüsseltechnologien entwickeln.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Laut Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst müsse und könne Deutschland Kernkompetenzen in digitalen Schlüsseltechnologien entwickeln.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Egal ob es um Hardware, Halbleiter, Software oder Programmier-Services geht: 62 Prozent der hiesigen Unternehmen ab 20 Beschäftigten bezeichnen sich als „stark abhängig“, weitere 32 Prozent als „eher abhängig“ vom Import digitaler Technologien und Leistungen aus dem Ausland. Und das ist nur ein Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverband Bitkom Ende letzten Jahres durchgeführt hat. Gerade einmal vier Prozent geben hingegen an, von Digitalimporten (eher) unabhängig zu sein. Die USA und China, aber auch andere EU-Staaten seien die wichtigsten Bezugsquellen für den Einkauf entsprechender Technik.

Importe für jedes zweite Unternehmen überlebensnotwendig

Bei denjenigen Unternehmen, die digitale Technologien oder Leistungen importieren, halten sich 57 Prozent nur für kurze Zeit wirtschaftlich überlebensfähig, sollten die Lieferungen zum Erliegen kommen. 13 bis 24 Monate könnten diese Unternehmen nach eigenen Angaben überbrücken, danach würde es eng, so die Studienergebnisse. 12 Prozent gaben an, ohne Digitalimporte nur bis zu sechs Monate handlungsfähig zu sein.

Ganz oben auf der Einfuhrliste stehen laut des Bitkom Endgeräte wie Smartphones oder Laptops. 94 Prozent der Unternehmen importieren diese Geräte. 76 Prozent kaufen digitale Bauteile beziehungsweise Hardware-Komponenten wie Chips, Halbleiter oder Sensoren im Ausland ein. 69 Prozent beziehen Software aus dem Ausland und 67 Prozent Cybersicherheits-Anwendungen wie Firewalls. Der Anteil der Unternehmen, die digitale Geräte und Maschinen etwa für die Produktion aus anderen Ländern beziehen ist mit 63 Prozent ähnlich hoch wie der für digitale Services wie die Programmierung von Apps oder die IT-Beratung. Dieser liege bei 55 Prozent.
Geringer als gemeinhin angenommen ist laut der Befragung die Abhängigkeit von Rohstoffen für IT-Hardware, etwa Metalle oder Seltene Erden. Sie werden lediglich von drei Prozent der Unternehmen importiert.

Über alle Branchen hinweg bestehe dennoch der Konsens, dass Deutschland derartige Abhängigkeiten abbauen und die eigene digitale Souveränität viel stärker ausbauen müsse. 86 Prozent fordern mehr Investitionen insbesondere in Schlüsseltechnologien wie künstliche Intelligenz.
„Digital souverän ist ein Land, das eigene substanzielle Fähigkeiten in digitalen Schlüsseltechnologien besitzt und selbstbestimmt darüber entscheiden kann, aus welchen Ländern es digitale Technologien bezieht. In den vergangenen Jahren ist Deutschlands Abhängigkeit gewachsen. Diese Entwicklung müssen und können wir umkehren“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. Ein erster wichtiger Schritt auf diesem Weg sei der Ausbau Deutschlands zu einem Hot Spot der Chip-Industrie.

Bitkom macht Vorschläge für digitale Souveränität

Um die Abhängigkeit deutscher Unternehmen zu reduzieren, sieht der Bitkom allem voran die Politik in der Pflicht. Das gelte sowohl für die Bundesregierung wie auch die EU. Der Verband schlägt eine aus drei Punkten bestehende Agenda vor:

  • 1. Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit: Hierzu brauche es laut Bitkom innovationsfördernde Rahmenbedingungen. Diese müssten unter anderem die Schließung der IT-Fachkräftelücke, die Entbürokratisierung und Digitalisierung in der Verwaltung und eine neue Balance zwischen Datenschutz und Datennutzung beinhalten.
  • 2. Stärkung von Schlüsseltechnologien: Weiterhin sei eine Abkehr vom in der Forschungsförderung noch immer praktizierten Gießkannenprinzip hin zu einer fokussierten Förderung digitaler Schlüsseltechnologien mit Hebeleffekt notwendig. Solche digitalen Schlüsseltechnologien sind insbesondere künstliche Intelligenz, Quantencomputing, das Industrial Metaverse und das Feld der IT-Sicherheit. Auch der Ausbau Deutschlands zu einem Schwerpunkt für die Chip-Fertigung gehöre dazu. Nationale Maßnahmen sollten dabei eng mit Aktivitäten auf EU-Ebene verzahnt werden.
  • 3. Förderung von Anwendungsfeldern: Außerdem sei eine Konzentration auf Technologieschnittstellen zwischen in Deutschland etablierten, starken Industrien und digitalen Anwendungen wichtig. Beispielsweise gebe es in der digitalen Medizin und der autonomen, intermodalen Mobilität es lohnende Anwendungsfelder. In solchen Bereichen müssen digitale Ökosysteme aufgebaut werden. Durch die Einführung von Superabschreibungen ließen sich die nötigen Digitalinvestitionen nach Vorstellung des Verbands massiv steigern.

Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverband Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland telefonisch befragt. Die Befragung fand im Zeitraum von KW 46 bis KW 50 2023 statt. Die Umfrage ist repräsentativ.

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