Was muss geschehen, damit die Chemie den Digitalisierungszug nicht verpasst? Vernetzung ist das Thema Nummer 1. Und auch in der Instandhaltung tut sich einiges. Die Fernwartung ist zum Greifen nah: Stellventile und Durchflussregler melden ihre Verschleißdaten in Echtzeit an eine App. Predictive Maintenance wird so wirklich möglich.
Eine Plattform für Indutrie 4.0 in der Chemie: BASF, SAP, Pepperl+Fuchs, Samson und Endress+Hauser präsentierten Bundeskanzlerin Angela Merkel gemeinsam die Möglichkeiten der Digitalisierung.
(Bild: Maurice Weiss BMWi/Ostkreuz)
Ludwigshafen – Die digitale Zukunft der BASF kommt momentan in Gestalt eines auf Transpondern geleiteten, selbstfahrenden Tankcontainers daher. Der Gigant mit 32 Rädern, acht lenkbaren Achsen und 16,5 Metern Länge soll die Intralogistik im Werk Ludwigshafen revolutionieren und in Zukunft die klassischen Bahnkesselwagen ersetzen. Bis Juli fährt der Prototyp Wasser auf einem begrenzen Areal durch die Gegend, aber bald sollen 90 der Container im Werk unterwegs sein, 2018 sollen weitere 550 geliefert werden.
Dieses Projekt soll erst der Anfang sein, denn der Konzern will bei der Digitalisierung ganz vorne mit dabei sein. „Die Digitalisierung hat das größte Einzelpotenzial für die BASF. Wir gehen das strategisch an“, sagte Dr. Martin Brudermüller, Vorstandsmitglied und Chief Technology Officer der BASF, auf der Podiumsdiskussion im Rahmen des Digital-Gipfels. Der strategische Ansatz heißt BASF 4.0 und ruht auf den vier Säulen: Produktion, Supply Chain, Forschung und neue Geschäftsmodelle.
Der Digital-Gipfel der Bundesregierung fand mit über 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in der Metropolregion Rhein-Neckar statt. Auf der Veranstaltung wurden die Digitalisierung und ihre Möglichkeiten einem breiten Publikum präsentiert. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie zahlreichen Politikerinnen und Politikern von Bund und Ländern beteiligten sich auch führende Köpfe aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kommunen.
Revolution oder Evolution?
Doch wie wird bzw. wie soll die Digitalisierung in der Chemie Fuß fassen? Disruptiv oder doch eher durch schrittweise Innovation? Ein brisantes Thema also für die Podiumsdiskussion bei der neben Brudermüller, Dr. Gunther Kegel (Pepperl+Fuchs), Dr. Sonja Jost (Dex Le Chem) und Matthias Schrader (Sinner Schrader) mit diskutierten.
„Wir können digitale Technologien nur schrittweise einführen, disruptive Anlagentechnik wird es nicht geben“, betonte Dr. Gunther Kegel. Er ist nicht nur Geschäftsführer bei Pepperl+Fuchs sondern auch noch Präsident der VDE und Vertreter der Plattform Industrie 4.0. Die Prozessindustrie habe ein anderes Sicherheitsbedürfnis als die Fertigungsindustrie, daher könne man nicht einfach ein Ethernetkabel in die Anlage legen, so Kegel.
Trotz dieser Restriktionen arbeitet die Branche an Industrie 4.0-tauglichen Lösungen, wie ein Anwendungsbeispiel, das bei der BASF bereits umgesetzt wird, zeigt. Am Beispiel einer in Ludwigshafen betriebenen Butadien-Anlage zeigt das Exponat auf dem Digital-Gipfel, wie einzelne Stellventile und Durchflussmessgeräte aus der Ferne überwacht werden können.
Über eine App können Instandhaltungsmitarbeiter dann beurteilen, ob wegen außergewöhnlichem Verschleiß eine vorbeugende Wartung nötig ist oder sogar der baldige Ausfall eines Stellventils oder Durchflussmessgerätes droht. So sollen gezielt der Wartungsbedarf ermittelt, Wartungsarbeiten besser geplant und Anlagenstillstände reduziert werden.
Die herstellerübergreifende Plattform ist erst der Anfang
Die dafür notwendige Plattform zum Datenaustausch ist in einer Kooperation zwischen BASF, SAP, Pepperl+Fuchs, Samson und Endress+Hauser entstanden. In Zukunft sollen auf der Plattform gesammelte Daten die Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Betreiber verbessern und neue Geschäftsmodelle ermöglichen.
„Das gemeinsam mit unseren Partnern entwickelte Exponat zum Digital Gipfel zeigt anschaulich, wie sich die Wertschöpfung weiterentwickelt. Wir bieten unseren Kunden nicht mehr nur das reine Durchflussmessgerät zur Messung an, sondern liefern ihm mit den Daten noch zusätzliche, wertvolle Informationen über seinen Prozess,“ erklärt Dr. Bernd-Josef Schäfer, Managing Director Endress+Hauser Flowtec.
Schäfers Unternehmen setzt beispielsweise seine Heartbeat Technology ein. „Anlagenbetreiber gewinnen die Möglichkeit, neue Diagnose- und Prozessparameter zu überwachen und Trends der Messung eindeutig zu visualisieren. Abnutzung am Gerät durch Korrosion, Abrasion oder Ablagerung wird frühzeitig erkannt. Die IoT-Konnektivität der verwendeten Durchflussmessgeräte ermöglicht eine einfache Integration der Daten bis in die Cloud,“ erläutert Marco Colucci, Leiter Produktmanagement Plattformen und Digitalisierung beim Messtechnik-Spezialisten.
Stand: 08.12.2025
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