Digitalpolitik Bundeskabinett verabschiedet internationale Digitalstrategie

Quelle: dpa, Eco, TÜV-Verband 3 min Lesedauer

Die Bundesregierung hat am Mittwoch eine Strategie für die internationale Digitalpolitik beschlossen. Sie soll auf internationaler Ebene auch dazu beitragen, im Netz die Menschenrechte zu wahren und den Zugang zu einem freien Internet ohne Zensur zu gewährleisten.

Nach Ansicht des TÜV-Verbands sende Deutschlands neue Digitalstrategie ein starkes Signal für europäische Souveränität im digitalen Raum.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Nach Ansicht des TÜV-Verbands sende Deutschlands neue Digitalstrategie ein starkes Signal für europäische Souveränität im digitalen Raum.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Der Plan sieht vor, dass Deutschland künftig stärker in internationalen Fachgremien vertreten ist, um sich für diese Werte einzusetzen. Die Ampel-Koalition reagiert mit dieser Strategie auch auf das Vorgehen von Ländern wie China, die die Arbeit an einer technischen Standardisierung nutzen, um ihre politischen Interessen umzusetzen.

„Das freie Internet ist in Gefahr“, sagte Bundesdigitalminister Volker Wissing (FDP). Immer öfter kappten autoritäre Staaten den Zugang zum Netz, um unliebsame Meinungen zu zensieren und Bürger von Informationen abzuschneiden. „Netzsperren sind Angriffe auf die Menschenrechte, bei denen wir nicht tatenlos zusehen werden. Das Internet lebt von geschützter Kommunikation und unzensiertem Zugang zu Informationen.“ Gemeinsam wolle die Bundesregierung das freie Internet schützen und sich weltweit gegen Zensur und Netzsperren stark machen.

Deutschland will sich international stärker einbringen

Die von Wissing ins Kabinett eingebrachte internationale Digitalstrategie sieht konkret vor, mit einer stärkeren Teilnahme in internationalen Gremien Standards, Normen und Regulierung von morgen – etwa die sechste Mobilfunkgeneration 6G – frühzeitig mitzugestalten. Digital-Staatssekretär Stefan Schnorr (FDP) verwies darauf, dass zuletzt vor allem Vertreter aus China überdurchschnittlich in den Gremien vertreten gewesen seien.

Im Jahr 2022 habe es Deutschland nicht geschafft, in der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) den Direktor im Bereich Technik und Standards zu stellen, räumte Schnorr ein. „Das war aber auch zum allerersten Mal, dass Deutschland überhaupt angetreten war, eine solche Führungsposition in einer internationalen Organisation, die im Bereich Telekommunikation für Normen und Standards zuständig ist, zu besetzen.“ Demnächst stehe wieder die Besetzung einer Stelle im Bereich der Frequenzpolitik an. „Auch hier überlegen wir, eine Person in eine führende Position zu bringen.“

Die neue Strategie setze auf Technologiepartnerschaften mit demokratischen und gleich gesinnten Partnern, erklärte das Digitalministerium. In internationalen Gremien wie den Vereinten Nationen ebenso wie auf G7- und G20-Ebene werde sich die Bundesregierung für menschenzentrierte und innovationsfreundliche Regeln für den digitalen Raum einsetzen. Außerdem adressiere die Strategie das Potenzial von Digitalisierung, um globale Herausforderungen wie den Klimawandel zu bewältigen.

Verbände formulieren Zuspruch und Erwartungshaltung

Auch seitens verschiedener Verbände gibt es Zuspruch für den Schritt. Marc Fliehe, Fachbereichsleiter Digitalisierung und Bildung beim TÜV-Verband, kommentiert: „Mit der Strategie zur internationalen Digitalpolitik sendet das Bundeskabinett ein klares Signal für mehr europäische Souveränität und Resilienz im digitalen Raum. Darüber hinaus wird deutlich, dass Sicherheit und Wertschöpfung heute untrennbar mit der Digitalisierung verbunden sind.“ Mit Hinblick auf den ebenfalls formulierten Anspruch, die Digitalisierung zur Bewältigung des menschengemachten Klimawandels zu nutzen, führt der TÜV-Vertreter weiter aus: „Die Schritte der Bundesregierung, die Nachhaltigkeitspotenziale der Digitalisierung zu nutzen, sind richtig, denn das Verhältnis von Digitalisierung und Nachhaltigkeit ist in jüngster Zeit als neue Dimension in den Fokus gerückt: Dennoch existieren bisher weder in Deutschland noch in der EU kaum regulatorische Vorgaben, um das wechselseitige Zusammenwirken von Nachhaltigkeit und Digitalisierung zu fördern.“

Ähnliche Worte kommen auch vom Eco – Verband der Internetwirtschaft. „Die Bundesregierung stellt mit der internationalen Digitalstrategie erstmals die Weichen für eine ressortübergreifende Digitalpolitik im globalen Zusammenhang. Das ist überfällig und begrüßen wir ausdrücklich“, so Vorstandsvorsitzender Oliver Süme. „Jetzt kommt es darauf an, dass die Bundesregierung die in der Strategie formulierten Grundsätze rasch mit Leben füllt. Insbesondere in den Bereichen internationale Konnektivität und Datenverkehr brauchen wir langfristige und nachhaltige sowie international verbindliche Regelungen, um die Potenziale digitaler Technologien für globale Herausforderungen wie beispielsweise dem Umgang mit den Folgen des Klimawandels voll auszuschöpfen.“

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