Halbleiter Kritik an Fördergeldern für Chip-Hersteller TSMC

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

Über fünf Milliarden will der Bund in ein neues TSMC-Halbleiterwerk investieren, das in Dresden errichtet werden soll. Es ist bereits die zweite große Investitionssumme für die Branche.

Halbleiter „Made in Germany“ könnten mit TSMC bis 2027 möglich sein. (Bild:  TSMC)
Halbleiter „Made in Germany“ könnten mit TSMC bis 2027 möglich sein.
(Bild: TSMC)

Die geplante Subvention für den taiwanischen Chip-Hersteller TSMC wird von Ökonomen auch kritisch gesehen. Der Präsident des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung, Christoph Schmidt, ist skeptisch, dass die deutsche Konjunktur durch die Förderung den erhofften Schub bekommt. Es sei zweifelhaft, dass die Subvention dem Land langfristig mehr bringe, „als wenn man die gleichen Mittel in die Forschung und Entwicklung etwa von Speichertechnologien oder in die Infrastruktur für den Import und Transport von Wasserstoff stecken würde“, sagte Schmidt der „Rheinischen Post“ (Mittwoch).

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sieht in den geplanten Chipfabriken von Intel in Magdeburg und TSMC in Dresden „eine ungewisse Wette auf die Zukunft“. Der Staat gebe 15 Milliarden Euro an Subventionen allein für diese beiden Fabriken aus. „Dies wird sich wirtschaftlich nur dann rechnen, wenn diese beiden Investitionen einen Impuls für die gesamte regionale Wirtschaft geben und auch in anderen Branchen und bei Zulieferern Innovationen und neue Arbeitsplätze entstehen“, sagte Fratzscher dem „Tagesspiegel“ in Berlin.

Mit Blick auf die Standorte sagte Fratzscher, die Projekte könnten Ostdeutschland helfen, „ein eigenes Wirtschaftsmodell zu entwickeln und sich von anderen Regionen Deutschlands zu unterscheiden“. Dafür müssten jedoch auch eine Willkommenskultur, eine bessere Infrastruktur und mehr Investitionen in Bildung und Innovationen entstehen. Nur so könnten Fachkräfte angezogen werden und die Investitionen damit erfolgreich sein.

Steuerfinanzierte Milliardeninvestitionen in einzelnen Großunternehmen, während der Mittelstand mit Almosen vertröstet werde, seien der falsche Weg, um Abschwung und Abwanderung entgegenzutreten, findet Christoph Ahlhaus vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW). „Es ist keinem Unternehmer in Deutschland mehr vermittelbar, warum den Großen milliardenschwere Begrüßungspakete geschnürt und großzügige Ausgleichszahlungen für die hohen deutschen Strompreise gewährt werden, während man den Mittelstand im Regen stehen lässt", kritisiert der Vorsitzende der Bundesgeschäftsführung des BVMW das Vorgehen der Bundesregierung.

Der Chefvolkswirt des BVMW, Hans-Jürgen Völz, ergänzt: „Wer von günstigem Industriestrom profitiert, muss dazu verpflichtet werden, Investitionen am Standort Deutschland mindestens in Höhe der erhaltenen Kostenentlastung vorzunehmen.“ Andernfalls bestünde die Möglichkeit, dass global agierende Konzerne die in Deutschland realisierten Kostenvorteilen nicht für eine Modernisierung ihrer hiesigen Produktionsanlagen einsetzten, sondern stattdessen im Ausland investierten.

Deutschland als großer Standort für die Halbleiterproduktion

TSMC hatte am Dienstag angekündigt, bis zum Jahr 2027 ein Halbleiterwerk in Dresden zu errichten. Der Konzern erwartet demnach, dass die gesamte Investitionssumme zehn Milliarden Euro übersteigen wird. Die Hälfte dieser Summe wird voraussichtlich als Förderung vom deutschen Staat aufgebracht.

Bundeskanzler Olaf Scholz sprach davon, dass Deutschland „sich jetzt wahrscheinlich zu dem großen Standort für die Halbleiterproduktion in Europa“ entwickeln werde. Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bewertete die Ansiedlung als großen Gewinn. Die Investition sorge „für mehr europäische Souveränität und technologische Unabhängigkeit in einer Schlüsselbranche“.

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