Immersive TechnologienAR und VR: in drei Jahren Standard im Unternehmen
Von
Jürgen Schreier
4 min Lesedauer
Unternehmen, die Augmented oder Virtual Reality einsetzen, sind damit zufrieden. 82 Prozent sehen ihre Erwartungen an AR und VR erfüllt oder sogar übertroffen. Das geht aus einer neuen Capgemini-Studie hervor.
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Unternehmen machen gute Erfahrungen mit AR und VR: 82 Prozent der Unternehmen, die aktuell Augmented Reality oder Virtual Reality in ihrem Geschäftsbetrieb einführen, geben an, dass ihre Erwartungen erfüllt oder gar übertroffen werden. 50 Prozent der Unternehmen, die bislang keine immersiven Technologien einsetzen, wollen sich in den nächsten drei Jahren intensiv mit ihnen befassen. Insgesamt gehen 46 Prozent beziehungsweise 38 Prozent der Befragten davon aus, dass die Technologien innerhalb von drei beziehungsweise fünf Jahren bei ihnen zum Standard werden. Länderübergreifend wird AR am häufigsten eingesetzt, um digitale Referenzmaterialien hinzuziehen, während in Deutschland die Qualitätssicherung an erster Stelle steht. VR kommt bevorzugt bei der Schulung von Mitarbeitern zum Einsatz.
Insgesamt sind zwei von drei Unternehmen der Ansicht, dass Augmented Reality ihnen größere Vorteile bietet als Virtual Reality, dass aber die Implementierung aber auch komplexer ist. Übergreifend berichten drei Viertel der Unternehmen, die ein großes AR- oder VR-Projekt betreiben, dass sie mithilfe der Technologien einen betrieblichen Vorteil von über zehn Prozent in den betroffenen Anwendungsfällen erzielen.
AR verbindet die digitale mit der realen Welt und optimiert Arbeitsabläufe bei manuellen Aufgaben, indem Wearables den freihändigen Zugriff auf Hilfestellungen ermöglichen. Porsche nutzt AR-Brillen, um Schritt-für-Schritt Anweisungen und schematische Zeichnungen in Blickrichtung einzublenden, sodass unter anderem Experten aus der Entfernung Anweisungen geben können. Die Dauer eine Service-Anfrage zu bearbeiten, wird damit um bis zu 40 Prozent verkürzt.
VR generiert rein virtuelle Umgebungen und steigert die Sicherheit und Effizienz, beispielsweise durch die Simulation risikoreicher Umgebungen für Schulungen und Trainings. Airbus setzt VR ein, um digitale Modelle (Mock-Ups) ins Produktionsumfeld zu integrieren und Mitarbeitern ein komplettes 3D-Modell des Flugzeugs während der Montage zugänglich zu machen. Die Inspektionsdauer hat sich so von drei Wochen auf drei Tage verringert.
Augmented und Virtual Reality: Deutschland hat noch Nachholbedarf
In China haben jeweils 51 Prozent der Unternehmen begonnen, AR und VR zu implementieren, in den USA gilt dies für 59 Prozent beziehungsweise 42 Prozent der Unternehmen. In Deutschland führen aktuell 38 Prozent der Unternehmen AR- und 28 Prozent VR-Lösungen ein. Die Bundesrepublik liegt damit deutlich hinter den beiden führenden Nationen sowie hinter Frankreich (48 Prozent/43 Prozent).
In Skandinavien und Großbritannien sind mehr als zwei Drittel der Unternehmen maximal in der Experimentierphase. Im Vergleich ist man in Deutschland zudem deutlich skeptischer gegenüber den genannten virtuellen Technologien: So zeigten sich über die Hälfte der Befragten in Deutschland überzeugt, dass es sich bei Augmented Reality (60 Prozent) und Virtual Reality (55 Prozent) um einen Hype handele.
„Immersive Technologien haben in kurzer Zeit einen weiten Weg zurückgelegt und werden sich weiter entwickeln. Angesichts der starken Konkurrenz durch aggressive Investoren in den USA und China müssen Unternehmen ihre Investitionen fokussieren, um das langfristige Wachstumspotenzial dieser Technologien zu nutzen“, betont Udo Lange, Vice President und Experte für Digital Engineering bei Capgemini Consulting. „Um die besten Ergebnisse mit AR und VR zu erzielen, benötigen Unternehmen ein zentralisiertes Steuerungsmodell, auf die Geschäftsstrategie abgestimmte Konzepte sowie die Fähigkeit, Innovationen und Change Management voranzutreiben.“
AR und VR: Die häufigsten Anwendungsfälle
In den befragten Branchen Automobil, Fertigung und Versorgung werden die Technologien von knapp jedem dritten Unternehmen, das Augmented und/oder Virtual Reality verwendet, zur Reparatur und Wartung genutzt. Insbesondere werden digitale Referenzmaterialien hinzugezogen (31 Prozent), nicht vor Ort anwesende Experten konsultiert (30 Prozent), nicht einsehbare Komponenten digital betrachtet (30 Prozent) oder Schritt-für-Schritt-Anleitungen eingeblendet (29 Prozent).
Stand: 08.12.2025
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Im Bereich Konstruktion und Montage wird auf digitale Montageanleitungen zurückgegriffen (28 Prozent), die Produktleistung unter Extrembedingungen geprüft (27 Prozent), werden Infrastrukturen aus verschiedenen Perspektiven visualisiert (27 Prozent) und neue Designkomponenten über bestehende Module projiziert (26 Prozent). Bei Ford konnten Verletzungen in der Montage um 70 Prozent und ergonomische Probleme um 90 Prozent reduziert werden, indem VR-basierte Körperbewegungssensoren Bewegungsabläufe von Mitarbeitern erfasst und optimiert haben.
Die AR- und VR-Strategien der Vorreiter
16 Prozent der befragten Unternehmen zählen zu den „Vorreitern“, die frühzeitig und umfassend AR- und VR-Initiativen angestoßen haben. Sie konzentrieren sich auf vier Schlüsselstrategien:
1. Ein zentralisiertes Steuerungsmodell und Bewusstsein für AR und VR schaffen: 78 Prozent der Vorreiter verfügen über zentrale Teams oder Innovationszentren, um die Aktivitäten übergreifend zu steuern; verglichen mit nur 51 Prozent der übrigen Unternehmen.
2. Investitionen in Mitarbeiterqualifikationen: 93 Prozent der Vorreiter investieren merklich in agile, interne Expertenteams; verglichen mit 76 Prozent der übrigen Unternehmen.
3. Fokus auf fortlaufende Anwendungsfälle, die Mitarbeiter langfristig unterstützen: Den richtigen Anwendungsfall zu finden, ist eine der drei wichtigsten Prioritäten für die Gruppe der Vorreiter. Gleichzeitig stellt dies für mehr als 50 Prozent der Unternehmen eine Herausforderung dar.
4. Technologieinfrastrukturen auf die Integration vorbereiten: Datenmangel und fehlende Technologiereife sind die größten Hemmnisse bei der Einführung von AR und VR. Eine reibungslose Integration in bestehende Technologien und die entsprechende Unternehmenskultur sind jedoch essentiell.