Expertenbeitrag

Prof. Dr.-Ing. Gerrit Sames

Prof. Dr.-Ing. Gerrit Sames

Professor für Allgemeine BWL mit Schwerpunkt Organisation und ERP-Systeme, Technischen Hochschule Mittelhessen

Digitalisierung
Alarm: Digitalisierungsgrad von Geschäftsprozessen im Mittelstand bedenklich

Von Prof. Dr.-Ing. Gerrit Sames 4 min Lesedauer

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Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) kommen zu einem besorgniserregenden Ergebnis und bestätigen das Gefühl, dass in Deutschland in Sachen Digitaler Wandel noch Luft nach oben ist.

Beim Thema Digitalisierung hat der deutsche Mittelstand noch Aufholbedarf.(Bild:  Photo by Tim Mossholder on Unsplash)
Beim Thema Digitalisierung hat der deutsche Mittelstand noch Aufholbedarf.
(Bild: Photo by Tim Mossholder on Unsplash)

In den nächsten 10 Jahren wird ein signifikanter Anteil der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Damit werden circa 6 Mio. Erwerbstätige der Bundesrepublik Deutschland in den Ruhestand wechseln und dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen. Dieser Verlust an Arbeitskräften wird mit qualifizierter Zuwanderung alleine aus vielschichtigen Gründen nicht kompensierbar sein. Einen großen Beitrag könnte aber die Ausweitung der Digitalisierung von Geschäftsprozessen leisten.

Vor diesem Hintergrund ist von der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) eine Online-Befragung bei 868 Unternehmen vornehmlich im Mittelstand erfolgt; 155 Teilnehmer haben sich beteiligt. Wir haben insgesamt 41 Prozesse aufgezeigt, für die Technologien und Lösungen bekannt und vorhanden sind. Im Kern haben wir abgefragt, in welchem Digitalisierungsgrad diese Geschäftsprozesse heute in den Unternehmen ablaufen. Dabei wurden die Stufen 1 (in keinem Maße), Stufe 2 (in geringem Maße), Stufe 3 (in erheblichem Maße) und Stufe 4 (weitestgehend durchgängig) als Antwortmöglichkeiten angeboten. Aus den Einstufungen konnten so Digitalisierungsgrade ermittelt werden (s. Abb. 1). Dies soll kurz am Beispiel Beschaffung erläutert werden. Zu Beschaffung wurden insgesamt 6 einzelne Prozesse abgefragt und die Stufen erfasst. Daraus wurde ein Mittelwert gebildet. Das Ergebnis zeigt, dass bei einem Mittelwert von 2,18 der Digitalisierungsgrad der Beschaffung zwar am weitesten fortgeschritten ist, aber doch nur bei „in geringem Maße“ liegt.